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Attentat in Norwegen

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27.07.11, 17:41:42

55555

Zitat von Antika:
Wenn dann auch noch ein Psychiater in einer Sendung so eine Tat als "autistisch" bezeichnet, wundert es mich nicht wenn dann vielleicht eines Tages aus diesem Täter ein geisteskranker Autist "gebastelt" wird.

Ob die BBC die Sendung geschaut hat? Es ist für viele wohl einfach naheliegend aufgrund dieser verbreiteten Klischees:
Zitat:
Professor Coid says key to the diagnostics would be whether or not Mr Breivik had any close friendships - such as a girlfriend.

"I would be interested in whether in the past he has had normal close friendships, and whether his mental state has deteriorated since then. If he hasn't had any, then maybe we are talking about someone who is closer to the Unabomber, who was cut off from society."

There have been suggestions that Mr Breivik lifted words and ideas from the Unabomber, Ted Kaczynski, who is in prison in the US for sending bombs through the post that killed three people and injured 23 others, from the 1970s to the 1990s.

If we are talking about someone who was cut off socially, "this would indicate a more schizoid personality - an highly functioning individual with a form of autism, and an increasing obsession with right-wing ideology.

Quelle

Wenn irgendwo sowas passiert ist es zur Zeit halt fast unausweichlich, daß auch Autismus ins Spiel gebracht wird.

Allgemein interessanter finde ich, daß man sich nun darauf einigt er sei geistesgestört. Aber warum sollte er das sein? Weil niemand so viele Leute umbringen kann ohne geistesgestört zu sein? Sind Soldaten dann auch geistesgestört? Oder sind Massenmorde in einem NA-Rudelkontext gesund? Da scheinen sich mir mal wieder Abgründe aufzutun.
27.07.11, 20:35:39

Fundevogel

Zitat von 55555:
Herr Schläpfer beruft sich in einer Stellungnahme gegenüber der ESH auf die Begriffsprägung durch Bleuler, wonach damit sozialer Rückzug in der Vorbereitungsphase (fand der überhaupt so statt?) und offensichtliche Emotionslosigkeit der Tat als autistisches Verhalten zu qualifizieren sei.

Dies trennt er offenbar von Autismus: "Autismus ist nicht mit gewalttätigem Verhalten korreliert ist, ich kenne keinen Fall eines autistischen Gewalttäters und auch in der eigenen klinischen Erfahrung habe ich es nie erlebt, dass autistische Patienten mit Gewalt auch nur gedroht haben."


Danach dürfte beispielsweise "diebisches Verhalten" nicht in einem kausalen Zusammenhang mit einem Diebstahl gesehen werden???
30.07.11, 00:09:49

zweifel

Zitat von wolfskind:


Prof. Dr. med. Thomas Eduard Schläpfer,

... der genaue wortlaut war, er habe aus autistischen motiven gehandelt.




Da braucht man sich doch nicht aufzuregen; auch Autisten können Lässigkeit üben. Jeder sogenannte Herr Prof.darf seine Meinung äußern.
30.07.11, 02:16:06

Fundevogel

Warum sollte man seine Unzufriedenheit nicht äußern, wenn in einem Zusammenhang mit einem Morden von autistischen Beweggründen gesprochen wird?

Jeder darf seine Meinung äußern aber auch die Verantwortung dafür übernehmen.

Locker über eine solche Äußerung hinweg zu gehen, könnte als Duldung, Anerkennung, Beschwichtigung gedeutet werden?

Eine Gegenrede ist der Beginn eines Gesprächs.
30.07.11, 09:56:29

55555

Sicherlich sollte man zeigen, daß es nicht in Ordnung ist. Ich will das nicht verharmlosen und ich persönlich könnte mir vorstellen von Persönlichkeiten wie Politikern eine öffentliche Richtigstellung zu fordern. Aber wie könnte ein solcher Arzt das technisch überhaupt tun?
30.07.11, 13:27:24

wolfskind

geändert von: wolfskind - 30.07.11, 13:27:44

es könnte anlässlich der äußerung ein treffen geplant werden
der "facharzt" wird geladen und die presse und sonstige , zb politiker.
die esh wird angehört und der facharzt stellt seine äußerung richtig.
da es wohl "im sande verlaufen würde" wenn man etwas plant und niemand kommt,
könnte mit hilfe der politiker bzw der presse (wo der "facharzt" ja aufgeregten ist) druck gemachgt werden.


Zitat von zweifel:
Da braucht man sich doch nicht aufzuregen; auch Autisten können Lässigkeit üben. Jeder sogenannte Herr Prof.darf seine Meinung äußern.

wenn wir weiter mit dieser einstellung leben und weiter alle zuschreibungen hinnehmen,
wir das umdenken stagnieren und sich wieder umkehren.
30.07.11, 16:36:53

55555

Und wollt ihr das bei jeder öffentlichen Aussage dieser Art machen oder nur bei bestimmten Personengruppen? Formal zog er sich ja auf verschiedene Definitionen zurück.
31.07.11, 21:01:32

frontdoor

Zitat von 55555:
Herr Schläpfer beruft sich in einer Stellungnahme gegenüber der ESH auf die Begriffsprägung durch Bleuler, wonach damit sozialer Rückzug in der Vorbereitungsphase (fand der überhaupt so statt?) und offensichtliche Emotionslosigkeit der Tat als autistisches Verhalten zu qualifizieren sei.
Das ärgert mich außerordentlich daß ein Prof.Dr. für Psychiatrie das dumme Klischee der "Emotionslosigkeit" verbreitet.Obwohl das doch nun längst widerlegt ist.
01.08.11, 02:29:40

Fundevogel

Bleulers wissenschaftliche Erkenntnisse galten recht schnell als überholt. Unter diesem Aspekt sollten "geprägte Begriffe" kritisch beleuchtet werden, ehe sie verwendet werden.
Vielleicht sollte Herr Schläpfer darüber mit Kollegen diskutieren, die Autisten sind;)?

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) führt in ihrem Aufgabenkatalog "die Unterstützung von Betroffenen und ihren Angehörigen" auf.
Vielleicht sollten die sogenannten "Betroffenen" dahingehend um Unterstützung anfragen, dass Mitglieder der Gesellschaft künftig in den Medien keine stigmatisierenden Zusammenhänge mehr herstellen? Ich könnte mir vorstellen, dass der nicht hoch genug zu lobenden Aufarbeitung der Rolle der Ärzteschaft im Dritten Reich eine kritische Reflexion im Umgang mit Autisten in der Jetztzeit folgen könnte.

@55555: Sicher könnte man sich die Finger wund schreiben, wenn man auf jede Herabwürdigung von Autisten reagieren wollte. Ich hielte ständige Reaktionen aber für kontraproduktiv, weil sie zur geistigen Ermüdung der Menschen führen könnte "Ach die schon wieder."
Aber bei Erklärungen im Zusammenhang mit Morden und registrierenden Millionen Zuschauern sollte man Stellung nehmen.
01.08.11, 06:59:19

Antika

Dieser Meinung bin ich auch.
01.08.11, 10:03:30

55555

Was schlagt ihr dann für eine Reaktion vor?
08.08.11, 20:39:24

zweifel

Zitat von 55555:


Was schlagt ihr dann für eine Reaktion vor?




Eine gleichmüte Reaktion. Es ist doch egal, was Herr Professor sagt. Oder nehmen Sie ihn wichtiger als sich selbst?
 
 
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