Fettnapffreie Zone - Selbsthilfe-Forum und allgemeines Diskussionsforum für alle weiteren Fragen des Lebens mit demokratisch legitimierten Moderationsregeln.
Von Autisten lernen heisst lieben lernen. Ehrlich, nüchtern, authentisch, verrufen, fair, sachorientiert: autistisch.
- Für neue Besucher und Forennutzer gibt es [hier] eine Anleitung inkl. Forenregeln. -

Dieses Forum bereitet sich mittelfristig auf dem Umstieg auf eine neue Forensoftware vor. Hier, hier und hier finden sich Threads zu dem Thema. Derzeit arbeiten zudem verschiedene Funktionen der Forensoftware nicht mehr korrekt, Beispiele: Threadtitel mit Umlauten oder manchen weiteren Sonderzeichen werden nicht gespeichert. Dies betrifft nur die Titel, nicht die Beiträge selbst. Beiträge mit diesen Zeichen sind als Zitat im Antwort- oder Editierformular leer (manuelles Zitieren funktioniert auch mit diesen Zeichen). Mit diesen Einschränkungen ist die Forennutzung derzeit weiterhin möglich.

 
Autor Nachricht
Arzen
(Standard)

geändert von: Arzen - 25.12.17, 06:07:29

Ok, ich bin neu hier und schreibe jetzt einfach mal drauflos. Wenn das irgendwie unpassend oder zu lang ist, sagt mir das bitte und / oder löscht den Thread. Ich mache das jetzt das zweite mal weil die ( hier viele Schimpfwörter einfügen ) Forensoftware nach der Vorschau meinen Text wieder gelöscht hat.
Aber gut - ist wichtig.

Ich wusste bereits mein ganzes Leben lang, das ich anders ticke als die anderen. Ich verstehe sie nicht, sie kommunizieren mir zu unsauber und im allgemeinen dachte ich immer ich bin irgendwie außerirdisch weil ich Dinge sehe, erkenne und einordne, welche die Anderen nicht mal auf dem Schirm haben. Meine Sozialkompetenz ist suboptimal, meine Emotionen absolut unterentwickelt - ich bin aber nicht ganz blöd, und konnte das bislang immer mit Charisma, Hirnkapazitäteneinsatz und absoluter Selbstdisziplin kompensieren. Sprich - Ich komme so einigermaßen durchs Leben. ( Abi, Studium, Festangestellt funktioniert nicht, also Freiberufler, etc. )

Vorgestern Abend ( also Freitag ) kommt meine beste Freundin von der Arbeit ( ja ich habe Freunde ) nach Hause ( ja ich wohne in einer WG - alleine geht gar nicht - auch wenn ich mich gerne zurückziehe was akzeptiert wird ), stellt sich vor mich und sagt "Jetzt ist mir alles Klar. Du kannst nicht anders".
( Nicht wirklich was neues für mich - ich weiß das ich nicht anders kann, nur schnallt das irgendwie keiner und man denkt immer ich stelle mich an )
Ich frage sie was sie meint.
Sie ( Leiterin einer OGS ) erzählt mir das sie seid Freitag ein autistisches Kind in der Einrichtung hat, das fast exact die selben Verhalteszüge zeigt wie ich. ( Also: Verwirrtheit bei Veränderung, wenn das "Bild" nicht mehr passt, krasse Nahrunsmittelprobleme, sehr klares "Ich mag / ich mag nicht" Verhalten, das exessiv durchgezogen wird, völliges Unverständnis für Zwischentöne oder Andeutungen - man hört sie einfach nicht, emotionale "Unfähigkeit" und Unverständnis vor allem bei starken Emotionen oder emotionalem Mitteilungsbedürfnis bei Frauen ( das jetzt natürlich eher bei mir ), absolut bei sich sein, Rückzug, Aggression wenn "die Kreise" gestört werden, Überforderung durch die Komplexität der Welt, wenn man sie nicht strukturiert angeht, wenig Hobbys - diese total exessiv und bis zur Genialität, usw. )

Ich falle fast hinten rüber - Ich ein Autist ?

Dann - Nachdenkphase. Passt. Alles. Total. Ich könnte jetzt schreiben das ich schockiert war - war ich aber nicht. Ich habe nur die Schultern gezuckt und war unfassbar erleichtert. Endlich eine Erklärung. Und ich bin um die 40. Da habe ich echt lange drauf gewartet.

Ich werde das nicht diagnostizieren lassen ( bitte keine Beiträge wo ich dazu gedrängt werde - vergesst das ) aber ich werde mich sehr intensiv damit beschäftigen. Denn:

Ich habe wegen dem Mist vor einem Jahr meine große Liebe verloren. Das letzte Jahr war die Hölle. Und ich habe selbstverständlich, nachdem sie sich getrennt hat, alle Brücken sehr sehr gründlich zerschlagen.
Ich wusste nie, warum ich ihr nicht die Nähe geben konnte ( KONNTE ! ) die sie brauchte. Ich wollte das so gerne. Ich habe die so geliebt. Ging aber nicht. Je mehr ich sie liebte, desto weniger konnte ich ihr geben. Irgendwann hat sie es nicht mehr ertragen und ist gegangen. Wenn ich das damals schon gewusst hätte, ich hätte Gegensteuern können - reden und handeln können. Aber gut - sie ist weg - und auch wenn ich so eine Frau wahrscheinlich nie wieder bekommen werde ( werde halt langsam alt... ) muß ich das volles Programm drauf haben, sollte ich irgendwann wieder eine Beziehung haben. Was schwierig wird, denn mein Frauengeschmack ist natürlich ganz extrem eingeschränkt ( habe ich auch nie verstanden - aber jetzt wird alles recht klar. )

Das war jetzt eher als Nebenbei-Annekdote gedacht - als Erklärung warum ich mich unbedingt absolut verstehen muß. Das Nichtverstehen war in diesem Fall sehr sehr teuer und schmerzhaft, und es ist mir natürlich auch schon in vielen anderen Bereichen des Lebens absolut auf die Füße gefallen. Dieses war nur das für mich bisher Krasseste.

Ich komme in der Regel ganz gut durch - Meine Kunden schätzen meine scharfe und absolut zuverlässige Art, meine Freunde schätzen meine bedingungslose Loyalität, mein Umfeld schnallt überhaupt nicht was in mir vorgeht.
Und da geht ständig was vor. Es läuft IMMER das "System", das "Muster", das Gitternetzwerk der Welt in meinem Kopf. Das kann ich mir nichtmal wegsaufen. Ich bin ständig, unablässig dabei zu analysieren, einzuordnen, gegenzuchecken, die kleinste Bewegung in Bezug auf das große Ganze abzugleichen. Und ich bin natürlich auch total manipulativ.

Was ich jetzt dringend brauche, ist eine Austauschmöglichkeit mit Menschen die ähnlich ticken. Oder das Problem selbst haben. Und das persönlich, da ich der virtuellen Welt nicht viel abgewinnen kann.

ALso: Wenn irgendjemand in / um Bielefeld Personen oder Gruppen kennt, die sich mit der Thematik beschäftigen - Bitte informiert mich.

So, jetzt hoffe ich mal das es diesmal klappt - mal schauen was passiert.







25.12.17, 04:57:39
Link
Antares
(White Unicorn)

Zitat von Arzen:
hier viele Schimpfwörter einfügen... Ich habe wegen dem Mist vor einem Jahr meine große Liebe verloren. Das letzte Jahr war die Hölle.

in einem Zuge mit
Zitat von Arzen:
"Emotionen absolut unterentwickelt"

Ist ein Paradox. Deine Emotionen sind doch vorhanden, wie bei jedem anderen Menschen auch. Wut, Liebe, Trauer und ein dringendes Bedürfnis danach intensive Emotionen auszudrücken ist auch vorhanden. Von unterentwickelt kann man hier kaum sprechen. Impulsiv geradezu, unkontrolliert vielleicht, sehr intensiv, deutlich, mitteilsam, übersprudelnd... aber ganz sicher nicht unterentwickelt.
Zitat von Arzen:
das ich anders ticke als die anderen. ... Ich verstehe sie nicht, sie kommunizieren mir zu unsauber ... weil ich Dinge sehe, erkenne und einordne, welche die Anderen nicht mal auf dem Schirm haben.

Diese Tatsache haben sehr viele Menschen die ich kenne bereits geäußert, ob nun Autisten oder nicht. Es scheint eine charakterliche Sache zu sein, ob man das so sieht oder anders. Ich kenne auch Autisten, die darauf überhaupt keinen Wert legen, sich nonstop konzentrieren zu müssen, immer sauber zu kommunizieren, alles einzuordnen etc.

Ich hörte diese Geschichte das Gefühl haben tun zu müssen insbesondere von Menschen, die etwas Schlimmes erlebten, andere Menschen als Bedrohung erleben und andere Menschen immer analysieren müssen, um keine Fehler zu machen - meinen diese Menschen tun zu müssen. Für mich hört sich das sehr anstrengend an. Aus meiner Sicht machen diese kleinen Dinge wie eben auch "so zu sprechen wie der Mund gewachsen ist" (unsauberes Komunizieren) und "9 gerade sein lassen" (die anderen sein lassen wie sie sind, ohne ständig zu analysieren) ein gemütliches Zusammenleben aus. Wenn mir Menschen von diesem Charakterzug bei sich erzählen danke ich mir immer, dass ich so nicht bin.

Zitat von Arzen:
Meine Sozialkompetenz ist suboptimal

Es gibt hier einige Theorien, wie Kinder in der Entwicklung das Gefühl bekommen, sie seien Sozial unkompetent und auch nach Außen hin diesen Anschein erwecken, wodurch sie das überhaupt erst entwickeln das Gefühl. Meist haben Menschen, welche von sich sagen sie wären Sozial Unkompetent Menschen in ihrer Umgebung gehabt, die ihnen das mitteilten. Das kann natürlich auch daran liegen, dass man charakterlich wirklich fürchterlich ist - oder man ist von Menschen umgeben, die eine gewisse Norm voraus setzen und man einfach in dieses SchemaF nicht hinein passt. Ganz viele "Kategorien" entstanden daraus. Jene die mit Migrationshintergrund ins Land kommen seien "mangelnd an Sozialkompetenz" z.B. Dabei sind das vielleicht Jugendliche aus einem Kriegsgebiet und dort ist es sehr wohl eine optimale Sozialkompetenz sich zu erwehren zu wissen. Hier in einer Schule dann im "Kriegsmodus der Traumatisierung" zu verharren gilt aber nicht als Sozial kompetent, auch wenn es sozial kompetent ist in Anbetracht der Geschichte dieses Kindes. Derzeit sind sehr viele Kinder und Jugendliche in "Sozialkompetenztrainings" untergebracht von unterschiedlichsten Anbietern.

Impulsivität bei Gefühlen gehört glaube ich auch in diesen Bereich, sprich enormes Erleben von Gefühlen wie Trauer, Liebe und Wut,... wo auch immer Deiner Meinung nach Dein Bereich ist, in dem Du nicht sozial kompetent bist, wer weiß was das bedeutet. Diese enorme Kontrolle auch hier:

Zitat von Arzen:
Hirnkapazitäteneinsatz und absoluter Selbstdisziplin

Selbstdisziplin, Hirnkapazitätseinsatz... nonstop im Bereitschaft, ständig am analysieren, niemals Ruhe... ist entweder Dein Charakter oder durch ein Erlebnis geprägt worden. Das ist sehr anstrengend wenn ich mir das vorstelle, ich müsste immer mein Hirn aktiv haben, immer absolut diszipliniert sein... puh. Ich bin Autistin und fände sowas in meinem Leben anstrengend, wüsste gar nicht, wo ich die Energie für sowas hernehmen sollte - mein Plan wäre hier vermutlich eine gute Meditation der Gedankenstille, sowas würde meiner Art zu sein widersprechen. Ich kann zwar an sich denken und diszipliniert handeln, aber das wäre nun nichts, was ich dauernd haben wollen würde, lieber ist mir eine vertraute, gemütliche Umgebung, in der ich auch eben einfach mal 9e grad sein lassen kann und rede wie mir der Mund gewachsen ist, ebenso wie die Menschen um mich.

"Griabig" - ist das bayrische Wort dafür, wo ich herkomme. Da wo es so ist, ist es "griabig". Im Schatten sitzen, sich über nix Sorgen machen, den Tag Tag sein lassen, den Herrgott einen guten Mann sein lassen und "die Seele baumeln lassen" - so geht das. Für mich allerdings. Wie gesagt ist das Charakterlich sehr verschieden und auch von der Lebensgeschichte her.

Zitat von Arzen:
Jetzt ist mir alles Klar. Du kannst nicht anders

Warum solltest Du auch anders? Bisher habe ich überhaupt noch keine Eigenschaft hier gelesen, bei der man sich fragen solle, ob man überhaupt anders können sollte. Ist doch alles gut, temperamentvoller Mensch, mit einem sehr analysierenden Charakterzug, auch im Alltag angewandt. Ist nicht jedermanns Sache, ich analysiere lieber hier mal in einem Forum oder sonstig beruflich, privat aber nicht, wozu auch sollte das gut sein, niemals Ruhe? nein. Aber für wen anders, wers mag, warum nicht? Wäre doch langweilig wenn alle Menschen gleich wären.

Zitat von Arzen:
Verwirrtheit bei Veränderung, wenn das "Bild" nicht mehr passt, krasse Nahrunsmittelprobleme, sehr klares "Ich mag / ich mag nicht" Verhalten, das exessiv durchgezogen wird, völliges Unverständnis für Zwischentöne oder Andeutungen - man hört sie einfach nicht, emotionale "Unfähigkeit" und Unverständnis vor allem bei starken Emotionen oder emotionalem Mitteilungsbedürfnis bei Frauen ( das jetzt natürlich eher bei mir ), absolut bei sich sein, Rückzug, Aggression wenn "die Kreise" gestört werden, Überforderung durch die Komplexität der Welt, wenn man sie nicht strukturiert angeht, wenig Hobbys - diese total exessiv und bis zur Genialität, usw.

Diese Liste ist ja ganz nett, aber sie kann unzählige Gründe habe, warum sie so sind wie sie sind. Traumatisierte Menschen neigen zu starrer Ordnung - ebenso wie Autisten die in einer Reizhölle lieber Ordnung haben, weil es unter massivsten sensorischer Reizflut sonst schwierig ist. Sehr klare Ablehung von Verhalten kann auch unzählige Gründe haben. Es kann in einer Schule z.B. besagte sensorische Hölle existieren, so dass aus Selbstschutz allein schon hier ein Ablehnung existiert. Es kann aber genausogut ein Lehrer existieren, der den Schüler misshandelt, oder andere Schüler die ihn drangsalieren etc... und schon sieht das ebenso nach Verweigerung aus, auch wenn die Gründe verschieden sind. oder oder oder eben... Auch sind nicht Autisten mit der Komplexität an sich überfordert wie Du das beschreibst, sondern sie sind ob der sensorischen Reizlastigkeit überlastet, das ist ein großer Unterschied! das eine hat mit dem anderen schon fast nichts mehr miteinander zu tun, auch wenn beides gleichzeitig auftreten kann. Traumatisierte Kinder hingegen zeigen bei der Existenz von komplexen Situationen an sich schon oft überlastung, da sie von vielen Triggern überlastet sind, die komplexe Situationen automatisch meist mit sich bringen. Auch hier würden beiden den Rückzug antreten, wenn es sensorisch übervoll ist UND komplex in der Situation an sich. Dennoch kann zwar auch ein Autist natürlich traumatisiert sein, aber muss es logischer Weise nicht sein etc.

Mir scheint diese Lehrerin nicht ganz sicher fest verankert in diesem Gebiet. Nur weil jemand irgend etwas leitet, muss dieser jemand sich nicht mit dem Erkennen von Ursachen von Verhalten auskennen. Mir fällt auf, dass sich insbesondere sogar Leiter von Einrichtungen hier nicht spezialisiert haben, da sie sich auf der Leiten, Führen und Lenken von Einrichtungen spezialisiert haben.
Zitat von Arzen:
Ich Autist

Sollte sich Deine Einschätzung somit nur auf die Aussage der Leiterin beziehen, fände ich es schwierig, weil das keine gute Beschreibung darstellt, was Autismus ist. Es kann sein, muss aber nicht - es kann auch alles ganz anders sein, weil nach den Ursachen nicht gefragt wurde bisher. Autisten neigen eher zu einer "Intense-World" nach einer Theorie von Markram zumindest. Nach Walker ist Autismus: "Autismus ist ein Entwicklungsphänomen, was bedeutet dass es im Mutterleib beginnt, es angeboren ist und während der gesamten Lebensdauer einen tiefgreifenden Einfluss auf die Entwicklung auf verschiedenen Ebenen hat. Autismus verursacht charakteristische, untypische Arten des Denkens, der Bewegung, der Interaktion, sowie der sensorischen und kognitiven Verarbeitung."
Zitat von Arzen:
Und ich habe selbstverständlich, nachdem sie sich getrennt hat, alle Brücken sehr sehr gründlich zerschlagen.

Beziehungsprobleme sind manigfaltig. Es wäre deutlich vermessen zu sagen: so ist es richtig und typisch für Autisten. Nein - das ist wieder reine Charaktersache. Ich z.B. als Autistin habe zu allen meinen Beziehungen einen gesunden (aus meiner Sicht eben im Gegensatz zu Dir für mich gesund) Kontakt aufrecht erhalten. Ich habe sie als Freunde im Leben behalten, auch wenn sie keine Lebenspartner wurden.
Zitat von Arzen:
Ich bin ständig, unablässig dabei zu analysieren, einzuordnen, gegenzuchecken, die kleinste Bewegung in Bezug auf das große Ganze abzugleichen. Und ich bin natürlich auch total manipulativ.

Ich weiß jetzt nicht, was das damit zu tun hat Autist zu sein, manipulativ veranlagt zu sein. Es gibt viele Menschen, die andere Menschen manipulieren. Das gehört ja fast schon zum "guten Ton" in dieser Gesellschaft und wird als sehr hohe soziales Gut aufgefasst. Warum Du dauernd alles analysierst, einordnest, gegecheckst, immer alles in Bezug auf das große Ganze abgleichst weiß ich somit nicht. Typisch für Autisten ist das nicht unbedingt, auch wenn das vermutlich Autisten schon einige auch tun. Du wirst diesen Charakterzug aber bei unzähligen Nicht-Autisten ebenfalls finden.
Zitat von Arzen:
Es läuft IMMER das "System", das "Muster", das Gitternetzwerk der Welt in meinem Kopf. Das kann ich mir nichtmal wegsaufen.

Diese Beschreibung habe ich noch nie von einem Autisten gehört. Ich kenne Menschen die nur in Bildern denken, ich kenne Menschen die ungewöhnlich in Code denken, jene die Zahlen im inneren Auge sehen. Von Gitternetzwerken der Welt im Kopf habe ich noch nie gehört. Wegsaufen... warum um alles in der Welt solltest Du Deine Art zu denken wegsaufen wollen? - frage ich mich da. Herrje... was für eine Idee.
Zitat von Arzen:
Was ich jetzt dringend brauche, ist eine Austauschmöglichkeit mit Menschen die ähnlich ticken. Oder das Problem selbst haben. Und das persönlich, da ich der virtuellen Welt nicht viel abgewinnen kann.

Welche Menschen Dir ähnlich sind, das weiß ich nicht. Wenn Du allerdings nicht in einer virtuellen Welt darüber sprechen möchtest und Austausch suchst, würde ich mich an Deiner Stelle nicht in ein Forum dafür begeben, sondern in die Wirkliche Welt hinaus. Vielleicht findest Du dort ja Menschen, die auch "Gitternetzwerke" der "Nonstop-Analyse" im Kopf haben?

Von "Selbsthilfegruppen" der Nonstop-Anlaysen habe ich nur in Traumagruppen gehört. Traumatisierte Menschen zeigen so etwas, wie Du beschreibst, die fortwährende Analyse, auf keinen Fall allein leben können... warum meinst Du es nicht mit Dir aushalten zu können und warum möchtest Du Dich wie Du bist "wegsaufen"?

Bist Du Dir sicher, wenn Du Deinen Geschichte betrachtest, dass Dir nicht einmal ein traumatisierendes Ereignis widerfahren ist? Und solltest Du denken Du bist wirklich Autist, warum denkst Du das? Was sollte Dich zu einem Autisten zählen lassen? Die Liste der Einrichtungsleitung findet sich nirgends wieder, weder im ICD/DSM, möchte man patholgisch vorgehen mit eine Diagnosestigma, noch in der Beschreibung von Nick Walker, möchte man nach Diversität blicken.

Außer das "schon immer so" - es sind aber die entsprechenden Bereiche von Dir nicht genannt worden, die für Autisten typisch wären, wie die sensorische Komponente, die dann soziale/gesellschaftliche Folgen nach sich zieht.

Zitat Nick Walker: "Autismus ist eine genetisch bedingte menschliche neurologische Variante." - ohne die neurologische Komponente, ist man nicht Autist, so wie Autisten derzeit benamst und definiert wurden nach den Katalogen, denn nur diese bedingen das dann vorhin zitierte Entwicklungsphänomen.
25.12.17, 10:53:05
Link
Arzen
(Standard)

Spannend. Danke Antares.
Mir ist auch klar, das ich sicherlich im Vergleich zu vielen anderen Menschen hier im Forum "harmlos" bin, und das meine beste Freundin ebenfalls sicherlich keine Expertin ist, sondern lediglich aus Erfahrungswerten heraus Schlüsse zieht.

Und die sensorische Komponente fehlt mir tatsächlich auch - bzw. habe ich es mir jahrzehntelang antrainiert, Berührungen nicht als unangenehm zu empfinden. Die neurologische Komponente wird im Dunkeln bleiben, da ich sie nicht untersuchen lassen werde.

Aber du hast sicherlich recht - im klinischen Sinne bin ich kein Autist - ich glaube dazu komme ich auch zu gut klar. Aber irgendwas ist dran - sonst hätte ich den "Aha-Effekt" nicht gehabt.

Danke für die Antwort !
25.12.17, 14:10:54
Link
Antares
(White Unicorn)

Entweder man ist Autist oder man ist es nicht.

"harmlos" gibt es nicht. Autist oder eben nicht Autist - das hat mit harmlos oder nicht harmlos nichts zu tun.

Wenn es keine neurologisch/sensorische Komponente gibt, ist es unwahrscheinlich, dass Du Autist bist. Es ist auch ausgeschlossen, dass man eine sensorische Überlastung "abtrainiert", das würde sich irgendwo anders bemerkbar machen. Wenn man z.B. abstumpft, so dass man gar nichts mehr wahrnimmt, dann beginnen die autistischen Kinder zu "dissoziieren". Deshalb "desensibilisiert" man Autisten auch nicht (mehr). Das haben einige veraltete, leider noch immer existente Strömungen praktiziert. Mit aktuell, modern, gut für die Kinder... hat das aber auch nichts gemein.

Somit ist eine Neurobiologie, die eine typisch für Autisten andersartige sensorische Wahrnehmung/Verarbeitung bedingt immer "harmlos". Autist sein an sich ist harmlos. Zumindest wenn man auf gewisse Grundprinzipien achtet, wie z.B. eine sensorische Überlastung bis zum Zusammenbruch zu vermeiden. Das schadet der Entwicklung. Das weiß man mittlerweile.

Man kann das auch nicht "untersuchen" in dem Sinne. Es äußert sich, Du kannst es an Dir selbst überprüfen, Diagnostiker wissen darum, weshalb Autisten typische Dinge äußern/tun/... und von daher eine Diagnostik eben überhaupt möglich ist/wird. Mit Technik überprüfen lässt sich das aber im Augenblick (noch) nicht und ist meines Erachtens auch überflüssig.

Entweder man ist Autist oder nicht und somit ist es auch nicht klinisch (medizinisch) definiert wichtig oder auch nicht. Wenn Du gut klar kommst, wärest Du Autist, wüsstest Du wie es sich gut lebt - auch das heißt überhaupt gar nichts. Es gibt Autisten, die mit 5 Jahren ihr erstes Wort gesprochen haben (also tief im Spektrum sind sagt man dazu) die haben später eigene Firmen geleitet.

Wenn Dir jegliche sensorische Komponente fehlt, also Deine Wahrnehmung sich überhaupt nicht unterscheidet von anderen Menschen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du Autist bist sehr gering. Ich kenne zwar Autisten, die keine "Intense-World" aufweisen, aber eine Sensorische Wahrnehmung die nicht mit der Masse gleich ist, hat jeder mir bekannte Autist.

Ein Aha-Effekt... ja es kann gut sein, dass Du Dich gar nicht kennst und somit nicht weißt, dass Du Autist bist und auch gar keine Wahrnehmung für Dich und Deine Welt hast, das ist schon alles auch möglich. Dann wäre der Aha-Effekt nach dem was Du bisher beschreibst aber das Einzige, das (noch?) übrig wäre. Und vielleicht auch das ständige Grübeln... weil Du vielleicht eigentlich weißt, dass Du gegen Deine eigene Natur lebst? Keine Ahnung ^^ das sind nun vollständig geratene Fragen.

Ohne Anzeichen für die Existenz von irgend etwas in diese Richtung:

https://white-unicorn.org/?mod=neurodiversitaet

oder auch in diese Richtung:

http://autisten.enthinderung.de/kollision/

Sagt der Aha-Effekt vermutlich irgend etwas anderes. Oder eben auch nicht, weil Du Dir dessen vielleicht nicht bewusst bist.
25.12.17, 14:48:47
Link
Kaleidoskop
(in einer Seifenblase zwischen den Welten (DIS & AS & ...)

Hmmmm.
Also ich weiß nicht, ob manipulativen sein typisch „autistisch“ ist.
<ich persönlich bin eher nicht manipulativ. Ich denke zwar, das ich evtl. Hier und da unbewusst manipuliere. Aber bewusst würde ich dies nie tun.

Ich denke, Antares hat schon viel Nützliches, interessantes gesagt. Da muss ich jetzt nicht auch noch einen langen Beitrag dazu verfassen.

Auch wenn das jetzt dein Thread ist, habe ich die Tage überlegt, da ich bei meinen Schwiegereltern war und mir nichts anmerken lassen wollte, ob eine Reizüberflutung im Sinne von Lautstärke und Durcheinander Reen nicht zwangsläufig immer zu „Dissoziation“ führt. Ich war gestern z. B. Absolut hyperaktive, habe dann aber auf der Heimfahrt gemerkt, wie k.o. Ich war.
25.12.17, 16:34:17
Link
Kaleidoskop
(in einer Seifenblase zwischen den Welten (DIS & AS & ...)

Achse. Wenn du so oder so vieles um dich analysierst, bzw. Alles, dann Versuch doch, auch dich selbst zu analysieren, so findest du heraus, was bei dir so los ist, ob du z. B. Eine erhöhte sensorische Wahrnehmung /Intense World) hast.

Ich selbst bin z. B. Traumatisiert und kann sagen, dass ich erst dann anfange, Menschen um mich herum bzw. Die Situation zu analysieren, wenn ich Gefahr wittere oder nicht sicher bin, ob Hochspannung von mir ausgeht oder vom Gegenüber.

Ich bin bei weitem noch keine Expertin für Autismus, lerne immer noch wahnsinnig viel dazu. Aber ich habe einiges an Ahnung zum Thema Trauma und Traumafolgen.
Ich denke, Antares hat recht, wenn sie sagt, dass Traumatisierte sowie Autisen eine gewisse Routine benötigen, um sich sichert zu f+holen. Allerdings haben Traumatisierte nicht zwangsläufig eine strikte Ordnung in ihrer Wohnung.
Sowohl für Traumatisierte, als auch Autisten benötigen eine gewisse Routine. Autisten für ihre Sicherheit, Traumatisierte zusätzlich, um nicht zusätzlich noch zu versumpfen und in Depressionen zu verfallen.
Traumatisierte kriegen nicht so schnell die Krise, wenn jemand spontan etwas unternehmen will, wie es bei Autisten der Fall sein kann (ich will hier nicht verallgemeinern).

Es gibt u. U. Auch be Traumatisierten Nahrungsmittel, die sie nicht essen können bzw. Wollen wegen der Konsistenz o.ä., weil diese Erinnerungen an das Trauma wachrufen können.

Es ist schade, dass sich „Falchleute“ oder „Wissenschaftler“ (noch) nicht genauer mit dieser Themenkombination auseinander gesetzt haben.
25.12.17, 16:44:31
Link
Arzen
(Standard)

Abgrenzung zur Kenntnis genommen. Ändert nichts an meiner Selbstwahrnehmung, aber ich werde euch nicht weiter belästigen.
27.12.17, 02:10:38
Link
Antares
(White Unicorn)

geändert von: Antares - 27.12.17, 09:15:13

Die "Kategorien" unterliegen den Abgrenzungen vom einen zum anderen. Aus meiner Sicht macht dies Sinn, wenn man auf der Suche nach Ursachen ist.

- Spontane Veränderung in einer Reizhölle sorgt für große Schwierigkeiten

ist eine Überlastungsfolge, die bei autistischen Kindern sehr viel zu beobachten ist. Lässt man die Reizhölle weg, hören die Schwierigkeiten sofort auf. Die Kinder sind dann wieder neugierig und interessiert, wollen was erleben und erfahren. So denn sie nicht traumatisiert sind und:

- Spontane Veränderung mit Ängsten gekoppelt haben, was für Schwierigkeiten sorgt

sie somit zum einen einer sonsorischen Überlastung entgegen treten, von der sie nicht wissen, wie damit umgehen, weil sie es nicht lernten. Zum anderen auch noch unzählige Ängste zu dieser Angst der Hilflosigkeit und dem Ausgeliefertsein in einer solchen Umgebung hinzu kommen, die dann triggerbedingt sind.

Mich belästigt es nicht, wenn jemand in einem Forum um Definitionen, Kategorien etc fragt. Insbesondere in den letzten 5-10 Jahren habe ich Vieles gesehen und erlebt, Kinder und Familien kennen gelernt, Kitas und Schulen aufgesucht, autistische Kinder in verschiedensten Situationen beobachtet. Ich gebe diese Erfahrung die ich gemacht habe immer gern weiter. Insbesondere wenn jemand auf der Suche ist.

WENN Du Autist bist, wie Du es Selbst wahrnehmen sagst, dann ist diese Erkenntnis ein Gewinn, denn die Autisten zu eigene Wahrnehmung insbesondere im sensorischen Bereich, kann die Lebensqualität enorm verbessern. Allein dadurch schon, dass man erkennen kann dass das in Ordnung ist, wie man ist und keinesfalls ändern bräuchte. Ich kenne insbesondere eben auch erwachsene Autisten, für die das so etwas wie Ruhe bedeutet, zu wissen dass das schon alles seine Richtigkeit hat.

Ich bin in diesem Wissen, dass das seine Richtigkeit hat aufgewachsen, es gab schlicht niemanden der in einem Autisten etwas Minderes gesehen hätte. Auch dieses Wissen, wie gut sich das damit lebt gebe ich immer gern weiter und nehme auch das nicht als Belästigung wahr, Du hast mich nie belästigt.
27.12.17, 09:13:42
Link
Kaleidoskop
(in einer Seifenblase zwischen den Welten (DIS & AS & ...)

Mich belästigst du auch nicht. Nur im Austausch und Diskussionen kann man lernen.
28.12.17, 19:23:39
Link
[feder]
(Globalmoderator)

ich habe auf Wunsch die drei letzten Beiträge ausgelagert. Sie finden sich nun hier: http://autismus.ra.unen.de/topic.php?id=8155&page=1𙅣
31.12.17, 19:34:56
Link
Emilia-kaulis
(Standard)

Hallo ich war Mahl hier angemeldet.
Ich kenne eine Frau wo der junge Diagnose ADHS hat und er wird auch so behandelt. Was mir auffällt er ist dabei sehr derweil versessen. Er wollte früher nicht mit Lego Spielen dann in der Therapie ja . Wir waren bzw seine Mutter in einer Gemeinde wo eine legostadt aufgebaut wurde nach 2 Tagen war das bauen zu Ende und dann würde die legostadt eingeweit wärend des Gottesdienst und das Kind fiel auf das von vielen Dingen die er gebastelt hatte von ein Fahrzeug die Figur fällte und dann ist das Kind ausgerastet und dann wird seine Mutter agressiv angegangen und er war sauer so das man früher gehen mussten. Mich erinnert es an asberger weil er 6 Jahre alt ist und schon regnen kann und gerne das 1 Mahl 1 lernen möchte. Wenn er sein wissendurst nicht bekommt und Langeweile hat spielt er verrückt. Könnte das mit ADHS oder Autismus asberger zusammen hängen? Der junge hat die Diagnostik ADHS fast alles normal mit hoher Lehrntnätigkeit. Bekommt ein Medikament zur Konzentration bevor er das bekommt ist der Junge unruhig und muss beschäftigt werden oder er rastet dann aus..
Ich war hier unter Basti10 angemeldet ich möchte der Frau helfen.
06.02.18, 09:04:38
Link
Gehe zu:
Technische Rechte (vorbehaltlich seperater moderativer Einschränkungen):

Es ist dir nicht erlaubt, neue Beiträge zu schreiben.
Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu erstellen.
Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.
Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu löschen.


HTML Code ist AUS
Board Code ist AN
Smilies sind AN
Umfragen sind AN

Benutzer in diesem Thema
Es lesen 1 Gäste und folgende Benutzer dieses Thema:

Ähnliche Themen
Thema Antworten Hits Letzter Beitrag
Gehe zum ersten neuen Beitrag Religion
534 499121
16.09.17, 10:59:45
Gehe zum letzten Beitrag von Gast
Gehe zum ersten neuen Beitrag Hallo.
585 6201
11.12.16, 18:05:19
Gehe zum letzten Beitrag von 55555
Gehe zum ersten neuen Beitrag Thread zur Beobachtung regimenaher Propagandamedien
292 163257
04.02.18, 20:06:43
Gehe zum letzten Beitrag von 55555
Archiv
Ausführzeit: 0.2067 sec. DB-Abfragen: 15
Powered by: phpMyForum 4.1.55 © Christoph Roeder