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Autor Nachricht
Fabius
(Standard)

Liebe alle,

der Lehrstuhl für Lebensqualität, Spiritualität und Coping im Institut für Integrative Medizin an der Universität Witten/Herdecke führt gerade eine Studie durch, in welcher untersucht werden soll, inwieweit Spiritualität eine Ressource für Menschen mit einer höheren Ausprägung auf der Dimension des Autismus-Spektrums darstellt und welche Aspekte des Lebens eine besondere Bedeutsamkeit für ebendiese Menschen haben.

Bei diesem Forschungsanliegen geht es also um das Aufzeigen von Ressourcen, die gefördert werden können, um letztlich auch eine inklusive Anerkennung der Besonderheit von Menschen mit einer höheren Ausprägung auf der Dimension des Autismus-Spektrums in der Gesellschaft zu begünstigen.

Hierzu wurde ein Online-Fragebogen erstellt, dessen Bearbeitung in etwa 5-10 Minuten in Anspruch nimmt. Alle volljährigen Personen mit einer Autismus-Diagnose sind herzlich dazu eingeladen, an dieser Studie teilzunehmen:

https://www.soscisurvey.de/Autismus_Spiritualitaet/

Beste Grüße,

Jan Cwik
25.02.17, 17:04:23
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Antares
(White Unicorn)

geändert von: Antares - 26.02.17, 15:43:01

Ich denke den Menschen als "Reccourcenobjekt" zu betrachten widerspricht der inklusiven Anerkennung per se, weshalb diese Studie aus meiner Sicht ad absurd ist.
26.02.17, 15:42:37
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Fabius
(Standard)

Es geht ja in der Studie nicht um Menschen als Ressource, sondern die Ressourcen von Menschen. Darunter versteht man z.B. Fähigkeiten oder Interessen, die Menschen dabei helfen mit Heruasforderungen besser umzugehen. Also alles was dabei hilft, Probleme besser bewältigen zu können.
26.02.17, 17:05:01
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Antares
(White Unicorn)

Es ist aber ein anerkanntes Modell, in der Traumatherapie z.B. Überträgt man ein solches Modell, das eigentlich aus der Therapie kommt auf ein:

Universelles Design

Kann es aus meiner Sicht nicht zu einem inklusiven Ergebnis führen, da es per se ausgeschlossen ist. Wenn dann wäre die Frage:

Wie kann man die Probleme beseitigen, so dass ein Universelles Design geschaffen wird

Es ist letztendlich ein anderes Behinderungsmodell und zwar das Medizinische. Dies geht schon im Ansatz davon aus, dass Autisten per se so ungefähr den Status eines Traumatisierten haben, also immer therapieren brauchen dahingehend:

- kognitive Verhaltenstherapie
- operante Konditionierung

anzuwenden. Dieser Begriff ist so stark im Gebrauch, so drastisch in Verwendung, inflationär in Verbindung mit Autisten, dass ich ihn in keinem einzigen inklusiven Projekt/Modell/Studie gut heiße, um ein Universelles Design zu gestalten.

Das Problem: wie schaffe ich ein Universelles Design (also Inklusion) wird dabei nämlich gar nicht beleuchtet also:

ad absurd!
26.02.17, 18:33:50
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Fabius
(Standard)

Was genau ist ein anerkanntes Modell?
26.02.17, 18:43:55
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Antares
(White Unicorn)

Von den Krankenkassen z.B. es findet flächendeckend Anwendung. Auch bei Jugendämtern. Es kommen durch die:

Reccourcen

bei Kindern solche Aussagen zustande wie: dieses Kind kann nicht an einer Kita teilnehmen, da ihm die Reccourcen fehlen Probleme lösen zu können.

Es wird nicht in Frage gestellt von der Krankenkasse (die VT und Medikation unterstützt) oder dem Jugendamt (welches Reccourcenplanung unterstützt mittels Heilpädagogen etc) ob ggf die Kita nicht stimmt.

Nein: Inklusion bedeutet in der Tat, ein Kind kann zu wenig Reccourcen haben und es kann sogar sein, dass nur immer weiter geguckt wird, wo können die Kinder noch Kompensieren, noch ein bisschen mehr schaffen, noch ein wenig mehr Leistung erbringen...

Es ist falsch herum sozusagen, als anerkanntes, gängiges, praktiziertes Modell. Eine deutlich interessantere Frage wäre aus meiner Sicht:

Welche Werte hatte Religion mit sich gebracht, dass Lebewesen als Geschöpfe Gottes anerkannt wurden und gar keine Reccourcen und Leistung erbringen mussten, als Teil der Schöpfung?

Ist es heutzutage überhaupt denkbar, wertvolles Leben, auch wenn es unter behindernden Umständen existiert?

...

Es ist etwas geschehen, definitiv, irgend etwas hat Religion bewirkt, auch im Umgang miteinander, mit den Menschen, mit Leben, auch wenn keinerlei Reccourcen für egal was da gewesen wären. Es war lebenswert.

Es bedeutete: Lebensqualität, so sein zu können und dürfen, wie man ist.

Hing das mit Religion und Werten zusammen? Was bedeutet eine Gesellschaft ohne Werte gegenüber dem Leben?
26.02.17, 18:59:33
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Fabius
(Standard)

Ah, jetzt verstehe ich die Bedenken - danke für die Konkretisierung! :-)

Wir meinen mit Ressourcen eigentlich ausschließlich etwas Positives. Es geht also nicht darum "zu wenig vorhanden ist" - wie in dem Beispiel des Kindergartens - sondern um etwas, was jemanden ausmacht und eine Stärke von ihm/ihr ist bzw. eine Besonderheit, die eine Ressource darstellt, wenn es darum geht, Herausforderungen zu meisten.

Das müssen nicht einmal Fähigkeiten oder Eigenschaften der Person sein. Es kann auch z.B. das Haustier sein, das einem dabei hilft, Alltagsbelastungen besser ertragen zu können. Ich glaube daher, dass wir beide von einem anderen Ressourcen-Begriff ausgehen.
26.02.17, 19:13:52
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Antares
(White Unicorn)

Nein, das tun wir nicht. Ich betrachte das Leben nur anders herum, wenn es um Inklusion und Gestaltung eines universellen Designes geht.

Nehmen wir den Autismusbegleithund, der hilft:

- in der Bahn genügend Platz zu haben, die Menschen rempeln einen nicht mit Hund
- wenn man einnickt an einer Haltestelle, man wird nicht ausgeraubt, mit Hund
- in der Wohnung weil die Menschen einsam sind, weil sie mit Hund jemanden haben

Was genau macht der Hund? Er ersetzt scheinbar eine Gesellschaft, in der es normal war: in der Leben so wertvoll war, dass in der Regel nicht gerempelt, gestoßen und geschubbst wurde, eine Gesellschaft in der es auch normal war, nicht an Haltestellen ausgeraubt zu werden, eine Zeit in der soziales Leben in der Gemeinschaft der Gläubigen samt jeglichen menschlichen Lebewesen, auch im Rolli/Non-Verbaler Kommunikation/... normal waren...

Und nun wer ist die Reccource:

- der Hund?

Wirklich? Ist nicht in der Gesellschaft die Reccource der Lebenswertigkeit als Grundlage zur Lebensqualität verloren gegangen? Ist wirklich der Wachhund nun die Reccource, damit der Mensch zurecht kommt?

Ist das wirklich Inklusion und Universelles Design?

Ich sage: Reccource, klar! Der Hund hilft gegen vollständige Isolation, er hilft dagegen gestoßen zu werden und Raubüberfälle, was alles drei hier in Berlin ganz normal ist, für Menschen die nicht einer gewissen "Norm" enstprechen wie es genannt wird.

Universelles Design ist das aber nicht und somit auch keine Inklusion. Diese Reccource ist eindeutig nicht in Verbindung dieser beiden Wort zu gebrauchen. Es hat so viel damit zu tun, wie ein Wachhund auf einem Hof:

Weil Krieg ist

Ist er jetzt universelles Design, ist er Inklusion? Oder ist er nicht einfach doch langsam ein Grundbedürfnis des Schutzes in einer immer raueren Gesellschaft? Ggf. auch weil Werte verloren gingen, in denen Lebewesen wertvoll waren - wie z.B. bei manchen Gläubigen?
26.02.17, 19:29:52
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Antares
(White Unicorn)

"Bei diesem Forschungsanliegen geht es also um das Aufzeigen von Ressourcen, die gefördert werden können, um letztlich auch eine inklusive Anerkennung der Besonderheit von Menschen mit einer höheren Ausprägung auf der Dimension des Autismus-Spektrums in der Gesellschaft zu begünstigen."

- warum sollte man Reccourcen aufzeigen müssen, die fördern brauchen
-> um eine inklusive Anerkennung zu begünstigen?
- warum sollte dies bei Menschen tief im Spektrum Not tun?
-> in der Gesellschaft insbesondere

Weil die Gesellschaft die Menschen als Reccourcenobjekte betrachtet. Ich bleibe dabei, auch wenn ich es ggf nicht gut erklären kann: Mit eurer Studie ist es ad absurd, per se, schon im Forschungsdesign. Es wäre ein Perpetuum Mobile, was ihr bauen wollt, das geht nicht.
26.02.17, 19:44:40
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Fabius
(Standard)

Das Forschungsdesign nur epidemiologisch, sodass es nicht ad absurdum geführt werden kann. Die Ergebnisse sollen lediglich erstmalig aufzeigen, inwieweit die untersuchten Themenbereiche überhaupt relevant für Menschen sind. zwinkern
26.02.17, 19:50:36
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Antares
(White Unicorn)

Es hat dann aber noch immer nichts mit Inklusion zu tun - selbst wenn Glauben Berge versetzt.
26.02.17, 19:57:03
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feder
(Autistenbereich)

In dieser Studie geht es doch gar nicht um Inklusion, sondern um die Frage, inwieweit Glaube überhaupt relevant ist. Also reine Bestandesaufnahme, wenn man so will. Die Resultate dieser Studie könnten dann in weiteren Untersuchungen verwendet werden, in denen es auch um Inklusion gehen könnte.
26.02.17, 21:35:35
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