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Diskussion zur Doku Schulexperiment

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29.07.17, 16:40:01

Kaleidoskop

Ich hab mir gestern die Aufzeichnung zum Scgühulexperiment Inklusive angeschaut und fand sie recht ... enttäuschend.

Bei mir wurde der Eindruck erweckt, dass die Eltern der betroffenen Kindern auf Teufel komm raus wollen, dass ihr Kind mindestens auf eine Regelschule gehen, wenn nicht sogar einen normalen Abschluss kriegen, egal um welchen Preis.

Soweit für mich erkennbar war, war der Junge mit Down-Syndrom nicht so stark betroffen, wie ich es in manchen fällen schon gesehen habe. Dennoch war zu erkennen, dass er Schwierigkeiten hat. Die Mutter wollte ihn unbedingt auf eine Realschule schicken, obwohl sie der Meinung ist, dass er keinen Abschluss kriegt. Aber er soll mit Kindern aus seiner Nachbarschaft zur Schule gehen. Klar kann es für beide Seiten ein gewisser Gewinn sein, wenn man mit einem Menschen mit Einschränkungen zusammen in einer Klasse ist. Die Kinder verlieren Berührung Ängste, die sie sonst normalerweise haben. Aber es wird auch Hänseleien geben. Solange sie noch jünger sind, wird er wunderbar akzeptiert, später fangen dann die Hänseleien an. Ist das wirklich so erstrebenswert?

Was ist so schlimm daran, wenn ein Kind auf eine so genannte Förderschule geht? Dort werden die Stärken weiter ausgebaut und an den Schwächen individuell gearbeitet. Es spricht doch nichts dagegen, danach noch auf eine Regelschule zu gehen? Oder bin ich da zu verbohrt?

Bei dem Jungen mit Autismus konnte ich ein paar autistische Züge erkennen, bin aber kein Fach Mensch. Dass er kleine Klassen braucht, ist nachvollziehbar. Aber ob eine Blindenschule da die geeignete Schulform ist? Erfahrungsgemäß sind blinde und sehbehinderte nicht unbedingt leise. Natürlich sind die Klassen kleine. Eine Klasse beinhaltet maximal zehn Schüler. Aber schon allein die Punktschriftmaschine machen einen gewissen Lärm. Und wer glaubt, dass es an einer Blindenschule keine Diskriminierung gibt, der ist absolut auf dem Holzweg. Sehbehinderte Haken auf denen herum, die noch schlechter sehen. Blinde würden wahrscheinlich dann auf dem autistischen Jungen herum hacken, weil er in sofern eine Extrawurst gebraten bekommen, als dass er noch eine Integrationskraft hat und einfach mal so aus dem Unterricht raus darf und sich ausruhen darf. Der Unterricht war meines Erachtens nach für mich trotz Beschulung in so einer Schule anstrengend. Aber Sonderpausen hatte ich nicht. Aber ich konnte eben genau diese Hänseleien hensel line von scheinbar stärkeren gegenüber schwächeren beobachten. Es ist zu bedenken, dass viele mit ihrer See Einschränkung nicht unbedingt klarkommen und sich dann vermeintlich schwächere rauspicken, um auf denen herum zu hacken. Ist das wirklich erstrebenswert? Wird der Junge auf dieser Schule wirklich seinen Abschluss schaffen können? Wäre es nicht schlauer, ihn erst einmal auf eine Schule zu schicken, wo er nicht der einzige Autist ist und er individuell so gefördert werden kann, dass er dann an einer Regelschule beschult werden kann? Man möge mir verzeihen, aber in der Regel ist eine Blinden Schule nicht eine Förderschule im klassischen Sinne. Natürlich sind zum Beispiel Karten für den Erdkunde riecht oder grafische Darstellungen in der Mathematik vereinfacht dargestellt, das ist dann einer „richtigen“ Regelschule nicht der Fall. Dort wird man mit Informationen geflutet.
Verallgemeinert gesagt kann ich nicht sagen, wie es zum Beispiel mit dem Essen in einer Blindenschule aussieht. Die Schulen, die ich erlebt habe, da könnte man sich teilweise tatsächlich aussuchen, was man wollte und sich selbst nehmen. Allerdings waren die Betreuer beziehungsweise Erzieher darauf bedacht, dass man alles ist, auch wenn man etwas partout nicht mochte. Auf der letzten Schule da kann man sein Essen einfach vorgesetzt. Man konnte eventuell sagen dass man lieber nur das oder das möchte, aber man wurde bedient.
Ich habe meine komplette Schullaufbahn bis zum Abitur an einer so genannten Förder Schule verbracht. Alle Schulen waren auf blinde und sehbehinderte spezialisiert. Was mich bis zum Abi halt durchhalten lassen, aber mein Eiserner Wille. Auch meine erste Ausbildung habe ich an dieser Schule mit eisernem willen durchgezogen. Dennoch war ich nach der Schule mit unter müde.

Da ich mit meiner ersten Ausbildung keinen Job fand, da mir die praktische Erfahrung fehlte, habe ich dann noch eine Ausbildung in eine Regelschule abgeschlossen. Es war eine duale Ausbildung. Die Klasse war mit 18 Schülern viel zu groß für mich, der Lärmpegel war viel zu laut für mich und es wurde viel zu schnell für mich gearbeitet. Wenn es Gruppenarbeiten gab, war ich der Klotz am Bein der Gruppe, die mich abbekommen hat. Ich hätte gar nicht gewusst, wo mir eine Integrationskraft helfen könnte geschweige denn eine beantragt. Ich habe mir einmal für die Berufsschule und einmal für den Ort der Lehrgänge eine Integrations Lehrerin zu Hilfe geholt, damit sie ihnen erklärt beziehungsweise am eigenen Leib Zeit, wie es ist, schlecht zu sehen. Das hat für mich eine kleine Erleichterung gebracht. Aufgaben Blätter oder Blätter allgemein wurden in der Luftschule nicht mehr auf diesem grauen Ökopapier gedruckt und ich bekam meine Klausuren in einer größeren Schriftgröße ausgedruckt. Auf den Lehrgängen bekam ich die PowerPoint Präsentationen schon vollständig ausgefüllt ausgefüllt und natürlich auch die leeren, da ja Aufgaben zu lösen waren Ich wollte durch aus lernen, wie ich die Aufgaben zu lösen hatte.
Obwohl die Berufschule nur so lange war wie meine jetzige Arbeitszeit vom Tagesplan her, hat ziemlich ziemlich k.o. gemacht. Die Arbeit in den einzelnen Bereichen hat zwar Spaß gemacht, war mit der regulären Arbeitszeit von 8 Stunden aber extrem anstrengend und ich war danach einfach nur k.o. und reif fürs Bett. Musste aber trotzdem noch Dinge des täglichen Lebens erfühlen. Dass ich in der Berufsschule und in den Lehrgängen keine Freunde bzw. Nicht mal sozialen Anschluss fand, lag an beiden Seiten. Die anderen hätten Berührungsängste „mit einer Behinderten“, ich selbst hatte zu wenig Selbstbewusstsein und war zu schüchtern. Die Einsamkeit war an der BS nicht ganz so schlimm, da ich am Ende des Schultages wieder in meine gewohnte Umgebung könnte. So konnte ich mich ein wenig für den nächsten Tag regenerieren.

Die dahinterliegenden Lehrgänge waren für mich die Hölle. Ich musste mit dem Tempo der anderen mithalten und mitschreiben. Es wurde ein winzig kleines bisschen besser, als ich die PowerPoint Präsentationen schon fertig ausgefüllt bekommen habe. Nichts desto trotz musste ich die Aufgaben ihr auch lösen. Dort war ich langsamer als der Rest meiner mit Schüler. Wenn wir dann Mittagspause hatten und essen beziehungsweise ein kleines bisschen Ruhe haben konnten, habe ich noch ein Großteil dieser Pause damit verbringen müssen, nach zu arbeiten. Danach ging es in den sehr vollen Speisesaal, wo ich mir das nötigste zu essen wollte, weil ich am Befehl Schwierigkeiten hatte. Mir war der Speiseraum zu voll und zu laut, aber was hatte ich für eine Wahl. Wenn ich Glück hatte, hatte ich nach dem Essen noch 10 Minuten Ruhe. Und dann ging es schon weiter bis circa 14 beziehungsweise 16:00 Uhr. Nach dem Unterricht musste ich das gelernte noch so auf arbeiten, dass ich es verstehen und damit was anfangen konnte, schließlich war der Stoff auch Abschluss Prüfungs relevant. Spätestens am zweiten Tag im Bildungszentrum hatte ich eine Zahnfleischentzündung beziehungsweise fühlte mich erkältet, Letzteres stellte sich im Laufe der Zeit als Allergie bedingt heraus. Man kann sich vorstellen, dass ich bis zum Abendessen um 18:00 Uhr nicht wirklich Pause hatte. Ich habe Abend gegessen und dann noch weitergearbeitet. Zeit zur Erholung gab es nur zum schlafen. Also wenig Regenerationszeit. Da diese Lehrgängen nicht in Wohnortnähe stattfanden, war ich isoliert von meiner gewohnten Umgebung und fühlte mich wie ein Fremdkörper. Auch wenn mir meine Arbeit Spaß gemacht hat, wenn ich nicht in Berufsschule oder Bildungszentrum war, so war sie doch anstrengend, weil ich keinerlei Hilfsmittel hatte. Allerdings wurde ich von den Kollegen vor Ort angenommen und ins Team integriert. Dass ich meine Ausbildung in der Regel Zeit geschafft habe lag einfach daran, dass ich wieder einmal meinen eisernen willen nutzte, weil ich wusste, dass drei Jahre für mich keine Entlastung sondern eine Zusatzbelastung wären.

Nach Bestandener Abschlussprüfung Arbeit hätte ich erst Vollzeit, dann 6 Stunden und jetzt nur noch 4 1/2 Stunden täglich. Dass ich so wenig und langsamer arbeite als meine mit Kollegen ist, zu Weißig von meinem Chef eine Belastung für meine Kollegen. Von denen hat zwar keiner den Mund, das auszusprechen aber er weiß es und ich weiß es im Grunde genommen auch, habe es gestern einfach nur klar gesagt bekommen.

Ich halte es für wichtig, dass Menschen mit Einschränkungen mit Menschen ohne Einschränkungen zusammen treffen. Aber ich glaube, dass die Schule für Menschen mit Einschränkungen nur dann auf eine Regelschule machbar ist, wenn diese Menschen zum Beispiel an den Rollstuhl gebärenden sind und sonst fit sind. Alle Menschen, die eine andere körperliche Einschränkung haben oder anders lernen, sind an einer Regelschule verloren. Und es ist demotivierend, zu wissen, dass man eventuell seinen Abschluss dort nicht schafft. Die Mutter des Jungen mit Down-Syndrom hat mir gesagt,, Dass ihr Sohn wahrscheinlich keinen Abschluss schaffen wird.

Meiner Meinung nach wurde in der Doku einfach nur gezeigt, was die Eltern wollen und ein wenig, wie sich die Schulsuche gestaltet. Es wurde aber nicht auf die Probleme eingegangen, die die Kinder in den jeweiligen Schulen haben würden bis auf die eine Situation, in der der autistischer Junge zwischendrin mal in einem ruhigen Raum sich hinlegen durfte.

Ich frage mich also, muss Inklusion um jeden Preis stattfinden? Was bringt es, wenn das Kind zwar auf eine Regelschule ist, aber am Ende dieser einen psychisches Wrack ist? Und selbst wenn das Kind die Schule schafft, was ist mit der Ausbildung? Wie wird es mit seiner Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt klarkommen?

Es braucht im Bereich Inklusion mehr als nur dickköpfige Eltern, die ihr Kind um jeden Preis auf eine Regelschule schicken wollen. Die Schule muss wissen, welche Besonderheiten zu beachten sind. Die Klassen sollten kleiner sein. Es muss geschaut werden, welche Kinder welche Bedürfnisse haben und gegebenenfalls diese Kinder in einer kleineren Gruppe bis Schulen, so dass sie die nötige Ruhe haben. Es muss möglich sein, dass die Kinder, die eine Integrationskraft brauchen diese auch haben. Das Lehrmaterial muss gegebenenfalls angepasst werden. Es mangelt einfach noch an sehr vielen Ecken und enden. Theoretisch gesehen klingt das Thema ja wunderschön, aber praktisch…?

Und mal als Gegenfrage: was spricht denn dagegen zu sagen, dass gesunde Kinder auf eine „Förderschule „ integriert werden. Der Kindergarten, in dem ich war Bestand zu einem gut Teilen aus Kindern mit den verschiedensten Einschränkungen und einigen Kindern, die keine Einschränkungen haben. Also würde auch dieses Modell funktionieren.

So hart es klingen mag, ich für meinen Teil bin froh, dass ich den Großteil meiner Schulzeit auf eine Schule verbracht habe, die auf meine Bedürfnisse mehr oder weniger angepasst war. Ich wäre sonst nicht so weit gekommen trotz aller Anpassung und trotz meines starken Willen.
Mein Fazit dieser Doku ist, dass sie zu einseitig ist und nicht alle Seiten richtig beleuchtet worden. Mich würden eure Meinungen und eure Erfahrungen mit integrative Beschulung an einer Regelschule interessieren, sofern ihr welche habt.
30.07.17, 08:50:08

drvaust

Zitat von Kaleidoskop:
Mich würden eure Meinungen und eure Erfahrungen mit integrative Beschulung an einer Regelschule interessieren, sofern ihr welche habt.
Ich persönlich habe nie eine Sonderschule besucht. Hatte aber Glück, daß ich bis zur 10. Klasse grundsätzlich in der gleichen Klasse war. Wir kannten und verstanden uns, wir waren eine Gemeinschaft.
Aber mein Neffe (AS) besucht eine Schule, eine Montesorischule, die sehr integrativ ist. Außerdem beobachte ich u.a. die Schulsysteme, bin ehrenamtlich etwas in einer Arbeitsgemeinschaft Inklusion tätig und habe auch in unserer SHG mit solchen Themen zu tun.
Zitat von Kaleidoskop:
Was ist so schlimm daran, wenn ein Kind auf eine so genannte Förderschule geht?
Seit der Besuch von Regelschulen besser möglich ist, gehen die meisten Schüler auf Regelschulen. Das führt dazu, daß an Förderschule nur noch der 'Rest' ist, der so schwer behindert ist, daß das an einer Regelschule nicht möglich ist. Das führt wieder dazu, daß Bewerber von Förderschulen gleich aussortiert werden, 'Die konnten ja nicht mal eine Regelschule besuchen.'.
Das führt auch dazu, daß behinderte Schüler, die eine Regelschule besuchen, nicht so gut speziell gefördert werden, wie Schüler einer speziellen Förderschule.
Meiner Meinung nach sind große Schulen, die von allen Schülern besucht werden, Hauptschüler bis Abiturienten, diesbezüglich am Besten. Dort dann Sonderklassen und Förderlehrgänge für besondere Bedürfnisse, und gemeinsame Leistungskurse für alle Schüler (Hauptschüler bis Abiturienten). Das hätte aber den Nachteil, daß die Schüler aus einem sehr großen Gebiet zusammenkommen müssen, lange Fahrzeiten oder Internat.
Meines Wissens gibt es hier keine staatlichen Förderschulen für Autisten, nur private Schulen, die vereinzelt mit staatlichem Zuschuß besucht werden können. Bei den staatlichen Förderschulen sollen für Autisten die für Körperbehinderte am besten geeignet sein, kleine Klassen und keine geistigen Einschränkungen, auch keine Kommunikationsprobleme wie bei Gehörlosen und Blinden.
30.07.17, 09:48:14

Antares

Ich bin damals inklusiv groß geworden die erste ca. 12 Jahre, ohne dass es so bezeichnet wurde. Ich durfte mich aus der Klasse zurück ziehen wenn es mir zu viel war und die Lehrer erlaubten mir auf meine individuelle Weise zu lernen (ich denke in Bildern). Zudem wurde ich von den Lehrern in Freistunden und Pausen individuell zusätzlich gefördert, weil sie mir ihre Zeit nach dem Unterricht manchmal schenkten. Auch wenn ich mich in den Klostergarten/Kirche zurück zog und da war eigentlich immer irgendwer, war es für mich sehr angenehm.

Als das Kloster aufgelöst wurde und alle "Besonderheiten" nicht (mehr) respektiert wurden langsam (es wurde dann "Integration" moderner mit Ablehnung von einer eigenen Art zu sein) wurde es für mich schwieriger. Aber immerhin wusste ich ganz deutlich, dass es nicht an mir liegt, sondern an der Änderung des Systems - so wie es vorher war, klappte es ganz ausgezeichnet.

Zitat von Kaleidoskop:
Ist das wirklich so erstrebenswert? Was ist so schlimm daran, wenn ein Kind auf eine so genannte Förderschule geht? Dort werden die Stärken weiter ausgebaut und an den Schwächen individuell gearbeitet. Es spricht doch nichts dagegen, danach noch auf eine Regelschule zu gehen? Oder bin ich da zu verbohrt?

Kinder die das Down-Syndrom aufweisen sind nicht "geistig behindert". Sie sind an Förderschulen für "Geistige Entwicklung" somit nicht richtig. - und so geht es ihnen wie den Autisten, wo hin?

Kinder die körperlichen Behinderungen wie Stufen gegenüberstehen sind "leichter" unterzubringen. Aufzüge, großzügige Räumlichkeiten,... das Gebiet ist umfassen gestaltet, wie eine behindertengerechte Schule auszusehen hat.

Für Kinder die das Down-Syndrom oder Autismus diagnostiziert bekommen gibt es somit keine Schulen. Sie können nicht alle an die Schule für Körperbehinderte Kinder, da dieses 1. auch irgendwann voll sind und 2. dort eigentlich keine Förderung für Autisten und andere so recht vorgesehen ist.

Die Regelschulen arbeiten aktuell (hoffentlich nur "noch") integrativ. Alles was nicht passt, wir passend gefördert. Somit merken die Schulen auch ganz oft nicht, dass die Kinder mit der Diagnose Down-Syndrom und Autismus eigentlich geistig total fit sind. Ihre Lernweisen unterscheiden sich lediglich drastisch von Kindern ohne solche Diagnosen.

Der Schritt wäre jetzt, dass die Regelschulen befähigt würden diesen Kindern einen Schulabschluss zu ermöglichen, denn nach meiner Erfahrung bisher kann "angeblich sogar" ein Autist ganz tief im Spektrum die Hauptschule abschließen. Es ist überhaupt nichts Besonderes daran, wenn ein Autist etwa einen Hauptschulabschluss schafft - wenn man ihn auf seine Lernweise lernen und nach seinen Bedürfnissen hin entwickeln lässt.

Kindern die auf Förderschule mit Geistiger Entwicklung geraten steht i.d.R. eine Karriere in Werkstätten bevor. Bei der hohen Sensibilität in den Bereichen der Berührung, Geräusche, dem enormen Autonomiebedürfnis ist dies überhaupt nicht förderlich... die Förderung wird nicht selten eher zur Folter.

Rein theoretisch zumindest hätten Förderschulen für Autisten eine Art Autopia werden können, alles ruhig, gemütlich, Autonomiefödernd und Lernweisen unterstützen, die kein Mensch mehr nachvollziehen kann - das hat sich aber nie getan.

Heute im Zeitalter der Inklusion wird vielerorts nun von den Regelschulen das erwartet, was schon die Sonderschulen nie waren. Aus meiner Sicht ist es aber schon besser die Regelschulen nun dazu zu befähigen auch Kinder die von der Norm abweichen zu beschulen, als nochmal alles wieder rückgängig machen und doch "Autopiaschulen" zu etablieren.

Die Schulen für Geistige Entwicklung lehren den autistischen Kindern die mir bekannt sind nicht, wie man sich in einer Umgebung bewegt, die mit Barrieren so voll ist, wie sie das heute eben ist. Sie werden in lauten Räumen "eingesperrt" mit vielen anderen Kindern, Gittern vor den Türen, ... oft mit Medikamenten dann ruhig gestellt, ganz viele Körperfunktionen fallen aus... nein, für sie ist so wie ich das bisher erlebe das Leben vorbei, wenn sie auf diesen GB-Schulen landen. Ein Wechsel ist in solch einem zerstörten Zustand ausgeschlossen.

Zitat von Kaleidoskop:
Aber ob eine Blindenschule da die geeignete Schulform ist? Ist das wirklich erstrebenswert?

Es ist eine Blindenschule in so fern besser, als dass bei einer Schule für Geistige Entwicklung das Leben endgültig vorbei ist als "gesunder Teil menschlicher Vielfalt" und die Regelschulen sich massivst gegen Inklusion wehren. Es kann für das Kind die Blindenschule die bessere Wahl sein, bevor es an Rechtstreit und unmenschlichen Racheaktionen an Eltern zu Grunde geht, weil sie nun den Autisten unbedingt auf die Regelschule haben wollten. Es gibt Schulen, die "wollen es dann zeigen" wie kaputt der Autist ist und wenn er nicht kaputt war, ist er es nach einem Schuljahr ganz sicher. Nicht alle Menschen sind freundlich. Das muss je nach Umfeld entschieden werden.

Es gibt Blindenschulen, in denen Autisten nahtlos einfinden können und mehr Chancen haben einen geeigneten Bildungsweg dort zu finden, wie an Regelschulen. Es gibt aber auch Schulen (meist eher Private) die auf Autisten ohne Diagnose schon so sehr eingehen, die Bedürfnisse wahren, dass sie eine gute Möglichkeit darstellen. Regelschulen sind aber für manche Eltern das einzige, was sie sich leisten können, weshalb u.U. dann eine Schule für Blinde geeignet sein kann.

Zitat von Kaleidoskop:
Wird der Junge auf dieser Schule wirklich seinen Abschluss schaffen können? Wäre es nicht schlauer, ihn erst einmal auf eine Schule zu schicken, wo er nicht der einzige Autist ist und er individuell so gefördert werden kann, dass er dann an einer Regelschule beschult werden kann?

Das Problem bei diesem Gedankengang ist wie gesagt, dass die Schulen dann "normieren" versuchen würden auf so einem Weg. Die kognitive Leistung fördert das nicht, da sie automatisch mit Barrierelast sinkt und zudem wird dem Kind beigebracht, wenn es nur normal genug ist, darf es dann endlich auf die Regelschule. Es gibt dem Kind die unerfüllbare Erwartung auf den Weg normal zu sein und sich maximal verbiegen zu müssen - letztendlich ist ein BurnOut oder Anderes auf diese Weise früher oder später vorprogrammiert.

Zitat von Kaleidoskop:
Ich frage mich also, muss Inklusion um jeden Preis stattfinden? Was bringt es, wenn das Kind zwar auf eine Regelschule ist, aber am Ende dieser einen psychisches Wrack ist? Und selbst wenn das Kind die Schule schafft, was ist mit der Ausbildung? Wie wird es mit seiner Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt klarkommen?

Das ist nicht Inklusion was die da machen - das ist oft einfach nur Folter.

Alle zusammenstopfen - das ist keine Inklusion, wahrlich nicht.
30.07.17, 17:09:38

Kaleidoskop

Danke für eure Gedanken zum Thema.

Egal, ob Down oder Autist, auf einer Schule für GB haben Sie echt nichts zu suchen, wenn sie geistig fit sind.

Blindenschulen sind insgesamt nicht so groß wie Regelschulen.

Die beste Förderung, was das Lernen und Wissen angeht, hatte ich in der Grundschule. Ab der 2. Klasse waren wir nur 3 Schüler und ab der 3. nur noch 2. so konnte ich optimal lernen.

An einer Regelschule die Kinder in einer Klasse zusammenführen, die besondere Bedütfnisse haben und die Klasse nicht zu groß ist und I—Kräfte für die, die sie brauchen, erscheint mir auch sinnvoll. Es gibt ja dennoch im Jahrgang der betroffenen Schüler Fächer, die alle gemeinsam haben können in ihrer „eigentlichen Regelklasse“.

Ich muss aber ehrlich zugeben, dass das Thema für mich 2 Seiten hat und ich nicht weiß, was das Beste ist/wäre. Denn kaputte Kinder durch Schule können nicht das Ziel sein.
31.07.17, 09:19:29

Antares

Ja natürlich. Regelschulen haben ja an sich nicht "nur" Mist:

- Schulhelfer (Hilfe/Pflege) bei einem Kind im Rollstuhl macht total Sinn
- Integrationshelfer bei einem Flüchtlingskind das kaum Deutsch kann, das übersetzen braucht, super
- Sonderpädagogen die sich mit Rehatechnik/Neue Medien auskennen, tolle Sache

Es geht ja eigentlich zumindest darum, dass das Zusammenführen weniger ein "wir gewöhnen euch aneinander, bis die Behinderten endlich auch lernen normal zu sein" - wie es die klassische Integration versucht. Das eigentlich mehr darum, dass ein "Universelles Design" schaffen braucht, das massive Veränderungen mit sich bringt.

Die Menschen sind aktuell in einer Art Schockstarre, Schulleiter, Lehrer... sie versuchen das Alte zu bewahren, zu verteidigen, sie haben Angst vor einem Universellen Design, sie mögen keine Veränderung. Letztendlich würde es dieses selektive System aufbrechen und in etwas ganz anderes überführen, das (noch) nicht designed ist.

Die Zwischenzeit, bis sich ein Universelles Design ausbilden kann würde selbst mit willigen Schulleitern 10 Jahre dauern, so dauert es vielleicht auch 30-50 Jahre, weil sich alle gegen echte Inklusion aufbäumen, wird für die autistischen Kinder wie für alle anderen die an Barrieren zerbrechen / von ihnen behindert werden / ... eine harte Zeit.

Deshalb setzen wir auf Telepräsenzsysteme und Fernunterricht, bis das Telepräsenzsystem eingerichtet ist - bis dann in 30 Jahren vielleicht die Schulleiter auch mal Luft geholt haben und mit der Schnappatmung aufhören, wenn sie was von Universellem Design hören.
31.07.17, 15:07:47

Kaleidoskop

Universelles Design wäre echt super.👍 Schließlich sind wir alle Menschen, egal. Wie wir sind.
 
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