Fettnapffreie Zone - Selbsthilfe-Forum und allgemeines Diskussionsforum für alle weiteren Fragen des Lebens mit demokratisch legitimierten Moderationsregeln.
Von Autisten lernen heisst lieben lernen. Ehrlich, nüchtern, authentisch, verrufen, fair, sachorientiert: autistisch.
- Für neue Besucher und Forennutzer gibt es [hier] eine Anleitung inkl. Forenregeln. -

Dieses Forum bereitet sich mittelfristig auf dem Umstieg auf eine neue Forensoftware vor. Hier, hier und hier finden sich Threads zu dem Thema. Derzeit arbeiten zudem verschiedene Funktionen der Forensoftware nicht mehr korrekt, Beispiele: Threadtitel mit Umlauten oder manchen weiteren Sonderzeichen werden nicht gespeichert. Dies betrifft nur die Titel, nicht die Beiträge selbst. Beiträge mit diesen Zeichen sind als Zitat im Antwort- oder Editierformular leer (manuelles Zitieren funktioniert auch mit diesen Zeichen). Mit diesen Einschränkungen ist die Forennutzung derzeit weiterhin möglich.

 

Autismus und Leiden

original Thema anzeigen

05.11.12, 01:24:36

PvdL

geändert von: PvdL - 05.11.12, 01:25:30

Autismus und Leiden: Was läßt sich vermeiden?

So oft ist die Rede davon daß er/sie/es an Autismus leide, daß ich mich schon frage, ob sich von denen, die das reden oder schreiben, mal jemand klar gemacht hat, was das bedeutet. Es mutet schon fast an, als werde "an <Krankheit oder alles, was man dafür hält> leiden" als Funktionsverbgefüge verwendet. Ein Funktionsverbgefüge (nachfolgend FVG genannt) ist eine Kombination aus finitem Verb und Substantiv, wobei das Substantiv für die Semantik und das finite Verb für die Grammatik zuständig ist. So zum Beispiel in dem FVG 'Bericht erstatten' oder 'Aufsicht führen'. Mich kommt der Verdacht an, daß für viele Sprecher es genauso ein FVG ist, wenn sie beispielsweise "Herr von der Linden leidet am Asperger-Syndrom" reden oder schreiben. Trotzdem auch oder gerade deswegen hier die Frage: Kann man das nicht vermeiden? Kann man nicht sagen "an Herrn von der Linden wurde das Asperger-Syndrom erkannt" und meietwegen irgendwann anders "seit seiner Diagnose leidet er viel weniger unter Vergleichen mit NTs, weil er weiß, was er an sich hat" oder so etwas in der Art. Generell sollte es jeder für sich selbst entscheiden dürfen, ob und wie viel er leidet, gerade auch dann, wenn es schon zum FVG verkommt, worunter nicht zuletzt die deutsche Sprache leidet. Und die kann sich noch nicht mal wehren. Leider!
25.11.12, 11:11:49

Hans

Man könnte die Formulierung auch umgehen,
wenn man schreibt: Herr ... ist Autist.

Man/Frau ist Autist und leidet nicht darunter,
sondern wir leiden an der Gesellschaft.

Hier wäre es interessant, eine Formulierung gegen
"an etwas leiden" zu finden.

"Herr ... erfreut sich am Asperger-Syndrom" ;)
25.11.12, 13:56:24

PvdL

geändert von: PvdL - 25.11.12, 13:57:19

Wie wäre es damit?

"Hans erfreut sich des Asperger-Syndroms sowie bester Gesundheit und großer allgemeiner Beliebtheit."
25.11.12, 14:05:57

55555

geändert von: 55555 - 25.11.12, 14:06:42

Die Begrifflichkeit "leiden" ist von Seiten behinderter Gruppen schon länger in der Kritik, so kann man im teils nicht empfehlenswerten "Buch der Begriffe" dies lesen (offensichtlich noch ohne jedes Verständnis für das soziale Behinderungsmodell):
Zitat:
... an einer Behinderung leiden
Viele Menschen mit Behinderungen [Laut Forenregeln diskriminierender Begriff] sind mit dieser Formulierung
nicht glücklich, weil sie einerseits Armut und Leid suggeriert und
dadurch -> Mitleid (S. 122) hervorruft, andererseits „leiden“ die
wenigsten behinderten Menschen tatsächlich an ihrer Behin-
derung. Meist macht ihnen die Umwelt das Leben schwer. Schon
alleine aufgrund der Objektivität sollte diese Phrase vermieden
werden, da nur behinderte Personen selbst wissen, ob sie tatsäch-
lich an ihrer Behinderung „leiden“ oder nicht. Besser ist es neu-
tral festzustellen, dass jemand „eine Behinderung hat“ oder „mit
einer Behinderung lebt“.
25.11.12, 15:16:34

PvdL

geändert von: PvdL - 25.11.12, 15:16:57

Ob man wegen einer physiognomischen oder physiologischen Normabweichung behindert wird oder nicht, hängt zudem von der Integrität einer Gesellschaft ab, deren Werte nicht nur oberflächlich oder kurzfristig gewählt wurden.
 
Powered by: phpMyForum 4.1.55 © Christoph Roeder