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Diagnosefragebögen

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07.02.11, 01:55:06

mockingbird

Als mein Doc mir sagte, er sei der Meinung, ich sei Autist, riet
er mir, in der Medizinischen Hochschule Hannover eine
Differenzialdiagnose durchführen zu lassen (es gibt dort eine
eigene Abteilung dafür)
Daraufhin erhielt ich die typischen Fragebögen und konnte
die meisten Fragen nicht beantworten, da ein Kästchen "Frage
logisch nicht zulässig" oder "Antworten unzutreffend" fehlte.

Ich meine: viele Autisten sind doch ausgeprägt intelligent - was
ist also so schwer daran, einen aussagekräftigen Frage-
Katalog von Autisten entwerfen zu lassen oder die Bestehenden
von Autisten korrekturlesen zu lassen?! Oder gibt es solche
bereits und werden nur zu selten benutzt? Wenn ja, habe
ich Interess daran, die in die Finger zu bekommen ...

07.02.11, 11:47:33

baum

Meine Fragebögen liegen seit zwei Monaten auf meinem Tisch, im Umschlag, in dem sie kamen.

Diese Bögen sind ausschlaggebend dafür, dass man einen Termin bekommt. So hab ich das zumindest verstanden, man war am Telefon scheinbar nicht gewillt, mir nähere Auskünfte zu geben - nach einem "nein" oder ähnlich negativer Äußerung kann ich nicht weiter nachhaken.

Es ist ein ganzer Stoß wirrer Fragebögen, nur einen einzigen davon soll ich selbst ausfüllen. Andere sind an meine Eltern, beziehen sich auf die früheste Kindheit (da weiß heuter keiner mehr irgendwelche genauen Details mit Monatsangaben!), Bögen die meine Eltern über den jeweils anderen ausfüllen sollen, ein Bogen, den ein Lehrer/Bezugsperson o. ä. ausfüllen soll (?!) und weiteres wirres Zeug.

Ich habe mir die Bögen kurz angeschaut, mich völlig üerfordert gefühlt und sie sofort wieder eingepackt. Bin sie dannach noch mit jemandem durchgegangen, der mir zwar einiges erklären konnte (woher ich nun weiß, wer was ausfüllen sollte), aber wirklich in der Lage, sie auszufüllen, fühle ich mich immer noch nicht.

Sie sind sehr unstrukturiert, durcheinander und alles zusammengequetscht. Außerdem kann ich meine Persönlichkeit nicht mit ankreuzen beantworten!!!! Manche Fragen sind generell überhaupt nicht zu beantworten, wenn sie sich beispielsweise auf Arbeit ODER Schule beziehen (also eine Frage, jenachdem, was man macht) ich aber sowohl in die Schule als AUCH arbeiten gehe.
Wenn nach schriftlichen Stellungnahmen gefragt ist, ist dort so wenig Platz, dass ich nicht einmal die Einleitung zu dem, was ich dort gerne hinschreiben würde, hineinbekommen würde.
Zusätzlich schwer finde ich, dass sich auf dem Bogen Zahlen, Werte und geschriebene, ausformulierte Sätze vermischen. Sowas verwirrt mich eigentlich immer.


Neben den von Dir bereits gestellten Fragen, mockingbird,stellte sich mir das Rätsel, wie es sein kann, jemandem einen AUTISMUS-Fragebogen mit so derart unlogischem, unübersichtlichem Aufbau zuzusenden, OHNE Anleitung, ohne Erklärung des Ablaufs, ohne überhaupt irgendwas konkretes.
Ich hatte den Eindruck, dass sich bereits mit den Fragebögen völlig über alles, was die ja eigentlich über Autismus wissen sollten, hinweggesetzt wurde.
Gleichzeitig stelle sich mir daher die Frage nach den Absichten dieses Instituts. Wollen die es mir extra schwer machen, damit ich die Bögen NICHT ausfüllen, sie also einen weniger haben? Wollen die mich prüfen, um herauszufinden, wie ernst mir das ist? Wollen die, dass ich leere Bögen zurückschicke, weil die Bögen gar nicht auszufüllen sind? Jede einzelne Möglichkeit, die mir bisher einfiel, empfinde ich als sehr verachten. Und eigentlich möchte ich in so einem Institut nicht "betreut" werden, nur scheint es leider keine Alternative zu geben.
07.02.11, 13:04:55

55555

Ich frage mich das auch schon länger, gehe aber mittlerweile davon aus, daß die wenigen Experten durchaus wissen, wie diese Fragenkataloge auf Autisten wirken und die dennoch einsetzen.
07.02.11, 13:27:47

haggard

geändert von: haggard - 07.02.11, 13:28:58

ich hatte wahrscheinlich bei mindestens der hälfte aller fragen fragezeichen dahinter gesetzt, anstatt etwas anzukreuzen. glaube, auf dem ersten bogen stand das sogar als "anleitung", dass man das so machen könne - habe ich dann auf sämtliche weiteren fragebögen übertragen. bei den terminen später wurden diese ganzen fragezeichen-fragen gar nicht geklärt. welchen sinn dann diese anderen fragebögen außer der FSK hatte, weiß ich nicht. vielleicht reicht es denen auch zu sehen, dass man mit den meisten fragen nichts anfangen kann? oder dass man "ewig" braucht, bis man so ein paket fertig hat und nach dem empfang wieder zurückschickt.

für alles, für das ich keinen platz zum antworten hatte, hatte ich auf extra-papier geschrieben und auf diese weise noch drei seiten zusätzlich mitgeschickt. hatte auch angegeben, dass ich die meisten antwortmöglichkeiten unlogisch fand und ich nichts auswählen konnte. entweder war die frage "falsch" oder die antwortmöglichkeiten dazu oder oder ...
07.02.11, 14:24:19

drvaust

Das ist bei Diagnose-Fragebögen generell so.
Die sind von Fachleuten geschaffen, nach deren Sprache, ähnlich Behörden-Fragebögen.
Es könnte auch eine Rolle spielen, welche Fragen man nicht beantworten kann, und wie man reagiert.
Ich habe solche Fragebögen möglichst exakt ausgefüllt, wenn es nicht ging frei gelassen. Manche NA scheinen da dann irgendetwas auszufüllen.
Daß die durcheinander und unstrukturiert wirken, könnte Absicht sein. Es soll möglichst spontan geantwortet werden, deshalb wird oft thematisch gesprungen und später wiederholt. Manchmal werden auch Fragen wiederholt, um die Antwort zu kontrollieren.
07.02.11, 18:54:02

baum

Bezüglich der Wiederholungen macht das auf mich persönlich überhaupt keinen Sinn, das merkt man doch beim lesen?! wäre grund für mich "s.o." anzugeben...

aufgrund meiner erfahrung mit anderen stellen/ärzten, die sich alle nicht zuständig fühlen -ich bin ja schließlich schon "zu alt" und kein kind mehr- bleibt mir wohl nichts anderes, als es zu versuchen. mit dem gedanken, seiten anzuhängen, hatte ich auch schon gespielt.
ich hab nur angst, dass ich, wenn ich denen mehr oder weniger "leere" bögen zurückschicke (alternativ unfug zu schreibn kommt nicht in frage), keinen termin bekomme. den bekomme ich ja schließlich nur, wenn ich die bögen ausfülle - hieß es.

ich finde es sehr traurig, wie schwer einem sowas gemacht wird. ich selbst erlebe/erlebte die letzten wochen als nervenaufreibend genug, vorallem hinsichtlich der ganzen absagen/sackgassen.
07.02.11, 19:12:09

Antika

Ich würde nur das ausfüllen was ich kann, und was ich nicht kann würde ich offen lassen. Würde dies auf einem extra Zettel vermerken, und gleich noch mitteilen dass ich ohne Hilfe dies eben nicht alleine kann.

Habe meine Bögen auch nicht ganz ausfüllen können, da ich nicht verstand was man von mir wissen wollte. Habe die Bögen dann zu meiner Psychiaterin mitgenommen und sie hat mir dann dabei geholfen.

Ich mache dies auch grundsätzlich mit anderen Bögen von Ämtern so. Das was ich verstehe fülle ich aus und was ich nicht verstehe, mache ich dann mit Hilfe der Person auf dem jeweiligen Amt, die diese Fragen beantwortet haben möchte.
07.02.11, 23:04:13

schneeweiß

Bei der Autismus-Diagnostik meines Sohnes musste ich auch viele Fragebögen ausfüllen. Habe das gemacht so gut ich konnte und einen Kommentar-Bogen angefügt. Viele Fragen kann man nicht einfach mit ja oder nein beantworten. Am besten ist es, man versucht nicht, irgendeine Logik in den Fragen zu entdecken. Mein Sohn, damals 10 Jahre alt, musste auch einen Fragebogen ausfüllen. Bei den Fragen, die er nicht verstand, malte er einen ICE hin. Er interessierte sich damals sehr für Züge. Die offenen Fragen wurden später in der Autismusambulanz noch durchgesprochen. Die Fragebögen stellten also nur einen ersten Anhaltspunkt für die Diagnostik dar.
08.02.11, 00:04:13

mockingbird

geändert von: mockingbird - 08.02.11, 07:25:58

Hm, naja.
Hatte eigentlich nichts Anderes erwartet - aber die Hoffnung stirbt
ja bekanntlich zuletzt ... :(
Andererseits muss natürlich der Arzt die Fragebögen auch verstehen
können (oder es sich zumindest einreden können ;) ), um sie auszuwerten.
In der MHH gibt es eine Forschungsabteilung, die sich ausschliesslich
mit Autismus beschäftigt. Je nach dem, wie sich mein Zusammenstoss mit
der zuständigen Ärztin so gestaltet, werde ich mich vielleicht als
Forschungsobjekt zur Verfügung stellen. Möglicherweise gelingt es
ja, ihr etwas Verstehen einzubleuen.
Die Hoffnung ... siehe oben ;)

O Hilfe: um Missverständnissen vorzubeugen: ich werde natürlich definitiv
NICHT erlauben, dass Blut abgenommen, Gewebeproben genommen o.ä. wird.
Werde mich vorher sehr genau informieren, wie die "Forschung" genau
aussieht und hier mal nachfragen, was Ihr so davon haltet...
08.02.11, 00:04:24

Fundevogel

geändert von: Fundevogel - 08.02.11, 00:06:29

Es ist leider so, dass viele Fragen auch Fangfragen sind, einfach aus dem Kontext gerissen, die von den meisten NA ebenfalls als seltsam verstanden werden, ohne dass sie Erklärungen erfragen (die dann nicht gegeben werden würden).

Diese hinter den Kulissen ohne Besprechung mit dem zu Bewertenden ausgewerteten Fragebögen sind aber wichtige Entscheidungshilfen für Ärzte, Therapeuten, Arbeitsvermittlungen etc. und führen zu Entscheidungen, die massiven Einfluss auf die Abwicklung eines menschenwürdigen Lebens haben können.

Beispiele aus einem Rentenantragverfahren (Schmerzhafte Gehbehinderung):
"Sagen Sie spontan, welche Beziehung Sie zu Ihrer/Ihrem Mutter/Vater haben." (Abklärung der psychologischen Situation - wenn das Verhältnis gut ist, kann kein seelischer Schaden vorliegen? Keine weitere Frage nach anderen Verursachern?!).

"Wann stehen sie morgens auf?" (Abklärung der Auswirkungen von Depressionen, aber keine Frage nach der Uhrzeit des Zubettgehens???)

"Erleben Sie Beeinträchtigungen ihrer Sexualität" (Was geht das unbekannte Aktenträger an?)

"Haben Sie Suizidgedanken?" (Wenn ich das beantworte, könnte ich im Extremfall gegen meinen Willen eingewiesen werden? Stigmatisierung am Arbeitsplatz? Was geschähe mit meinem Führerschein?)

Weil sich manche doch Gedanken machen, diese Daten kritisch hinterfragen und an neuralgischen Punkten kein Kreuz machen, erhalten sie Ablehnungsbescheide, weil sie als gesund gelten;)(Wer nix ankreuzt, kann nicht krank sein!)

Also bleibt nach den Widerspruchverfahren nur die Klage. Nun...wer eine 4-jährige Gerichtsgeschichte auf sich nimmt, der muss irgendwo doch krank sein... womit er dann "ein Kreuz auf sich" nimmt.
 
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