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A versus NA - gegenseitige konstruktive Ergänzung denkbar?

original Thema anzeigen

 
12.01.11, 18:16:02

biene63

Hallo,

ich bin Christin. Das ist kein Missionierungsthread - nur ne Faktennennung.

Ich betrachte die Welt in dieser Weise: Ich gehe davon aus, dass Gott sich was überlegt hat / bestimmte Absichten hatte, als er das Konzept MENSCH entwickelt hat. Ich geh davon aus, dieses Gott-Wesen hat sich was Gutes dabei gedacht, als er dieses Konzept MENSCH in ziemlich vielen Variationen geschaffen hat - als Variation Mann / Frau, als Variation bezüglich der Körperstatur, der Rasse, der kulturellen Anpassung an die unterschiedlichsten Wohnregionen der Erde, als Variationen unterschiedlichster Fähigkeiten / "Begabung" genannt.

Somit geh ich davon aus, dass im Konzept MENSCH sowohl Nicht-Autisten wie Autisten gleichberechtigt ihren Platz haben - weil diese beiden Mensch-Varianten sich einander ergänzen...sollen.

Es wird soviel über Autismus als "Behinderung" geredet, geschrieben, diskutiert, gestritten.

Ich möchte diesen Thread als Gesprächsbasis: In welchen Aspekten können Autisten und Nicht-Autisten einander ergänzen?...was sind Fähigkeiten dieser beiden Personengruppen, die vielleicht wie "Zwei-Komponten-Materialien"...oder Multifunktional-Werkzeuge in der richtigen Anwendung ganz klasse Projekte gemeinsam gestalten könn(t)en, sofern diese beiden Personengruppen sich gegenseitig als gleichwertig anerkennen und achtsam respektieren?

Bin gespannt auf Eure Ideen. lg biene63
12.01.11, 20:51:04

payaniva

Zitat von biene63:

Ich möchte diesen Thread als Gesprächsbasis: In welchen Aspekten können Autisten und Nicht-Autisten einander ergänzen?...was sind Fähigkeiten dieser beiden Personengruppen, die vielleicht wie "Zwei-Komponten-Materialien"...oder Multifunktional-Werkzeuge in der richtigen Anwendung ganz klasse Projekte gemeinsam gestalten könn(t)en, sofern diese beiden Personengruppen sich gegenseitig als gleichwertig anerkennen und achtsam respektieren?



Ich bin davon überzeugt das es sowas jetzt schon gibt, es gibt doch sehr viele Autisten, die im Berufsleben sind, wo man nicht mal weiß das der Kollege ein Autist ist.

Und zum ersten Teil, was ist mit all den anderen Menschen ?
Es gibt ja nicht nur Autist und Nicht Autist auf dieser Welt, es gibt die ADHS`ler, es gibt die Epileptiker, es gibt die Menschen die immer in einer Zwischenwelt leben (Wachkoma Patienten) Blinde, Taube, Geh Behinderte, Körperlich behinderte, Depressive, Traumatisierte, Kinder mit dem Downsyndrom und alles anderen.

Wenn Gott für die Entstehung des Menschen verantwortlich wäre, warum hat er manche Menschen mit so einem schweren Leiden auf die Welt geschickt ? Warum müssen dann so viele Kinder ihr kurzes Leben in Krankenhäuser verbringen an Geräte und Schläuche und da sterben ? Warum kommen Kinder dann ohne Augenlicht zur Welt ? Und all die anderen Leiden und Schicksale die es gibt.

Ich weiß dass das nicht deine Frage ist, aber ich kann deinem 1. Teil des Beitrages aber nicht zustimmen.

1. Wenn Gott für die entstehung neues Leben zuständig wäre, würde er sicher nicht Kinder zum Leiden auf die Erde schicken.
2. Empfinde ich es nicht so, das es nur den Autist und den Nicht Autist gibt, es gibt noch viele andere Menschen die auch anders sind, aber weder das eine noch das andere sind.
Gibt es bei denen die Gleichberichtigung ? Wo ist deren Platz auf dieser Welt ?

Ich bin auch Christ, ich glaube an Wunder, es gibt Wunder und ja vielleicht gibt es da oben einen Gott der für diese Wunder zuständig ist, aber ich glaube nicht daran das Gott für die Entstehung des Lebens zuständig ist. Ich glaub an die Archäologien die es auch belegen können wie der Mensch entstand. Und ich glaube das vieles durch die Umwelt passiert, die nach und nach von uns Menschen zerstört wird.


12.01.11, 20:57:55

Fundevogel

Ich kann mit den Bezeichnungen nicht viel anfangen, weil sie Schubladendenken Vorschub leisten (Klappe auf, Klappe zu...aus den Augen aus dem Sinn!)

Die Gesellschaftsorganisation ist darauf ausgelegt, alles zu entfernen, was anstrengend sein würde oder an das Anderssein erinnern könnte:
Die Toten kommen auf den Waldfriedhof (früher lagen sie in der Mitte des Dorfes), die Kranken werden ins Krankenhaus verlegt, die Kinder essen in der Schule, die Alten dämmern aufgabenlos im Altersheim, die Behinderten werden im Heim verwahrt.

Wo wir früher mit Mund und Händen halfen, lassen wir heute für ein Hilfssystem (das immer öfter Aktiengesellschaft ist) abbuchen.

Einander tätig ergänzen, helfen, ablesen, vorausschauen ist das, was den Menschen "bildet". Diese Art der Bildung ist anzustreben, dann können wir gut miteinander in unserem Anderssein leben.

12.01.11, 22:15:30

biene63

geändert von: biene63 - 12.01.11, 22:22:13

Hallo,

mir geht es nicht darum, Eure Ansichten zu widerlegen oder zu befürworten.

Ich lege Euch meine Ansicht mit einem weiteren Beispiel dar, vielleicht wird dann deutlicher, was ich meine:

Mein älterer Sohn ist rein praktisch betrachtet mit ner Sehbehinderung aufgewachsen - rein praktisch betrachtet massenhaft Leid.

Mein jüngerer Sohn ist fertig diagnostiziert mittel-bis hochgradig innenohrschwerhörig, Asperger-Autist und hat ne Skoliose. Das sind einander ursächlich nicht bedingende Behinderungsformen, die sich aber ergänzen und mitunter neue, zusätzliche Barrieren aufhäufen. Massenhaft Leid.

Ich bin aufgewachsen mit massenhaft sensorischen Übersensivitäten, mit Bezugspersonen die jahrzehntelang gar nix kapiert haben und hab ne Vergewaltigung erlebt. Heftigste Schmerzen auf allen denkbaren Ebenen, massenhaft Leid.

Ich hab regelmässig / mehrmals wöchentlich Kontakt zu Gehörlosen, bin selbst zur DGS-Kommunikationsassistenz befähigt und hab auch schon mit Taubblinden kommuniziert. Gehörlosigkeit wird von Hörenden gern als "Leid" angesehen - Gehörlose sehen das anders.

Ich hab an ner Schule für Geistig Behinderte gearbeitet...und ich hatte wegen Umschulung zur Heilerziehungspflegerin das 1. Semester absolviert. Diverse Situationen mit massenhaft Leid.

Ich hab zwei Jahre lang eine sehr alte, mehrfachbehinderte Dame per Alltagsassistenz gepflegt und bis zu ihrem Tod begleitet. Massenhaft Leid.

Ich selbst bin noch da und meine Jungs auch.
Im Kontakt mit den anderen Leid-erfahrenen Menschen, die mir begegneten, sind mir solche begegnet, die nahezu an ihren Situationen zerbrochen sind, die verbittert waren und jammerten.
Es sind mir viele andere Menschen mit ähnlichen Erfahrungen begegnet, die ihre Leid-Erfahrungen benutzt haben, um sie zu gestalten und fürs Erreichen ihrer Wunschziele bezüglich Lebensqualität, Bildungsmassnahmen oder Sonstiges zu benutzen. Für diese Menschen waren ihre Leid-Erfahrungen "Werkzeuge"!
Solche Ansicht hab ich mir zu eigen gemacht.

Ich hab diese Ansicht inzwischen meinen Jungs vermittelt und ich lebe selbst ebenfalls entsprechend dieser Ansicht - kurz gefasst: "Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, mach Limonade draus!"

Lange Version: Ich bin ein Werkzeug-Freak. Ich liebe es, Werkzeuge aller Art zu kaufen, Materialien und mich im Gebrauch dieser Sachen zu üben. Manchmal erwisch ich so ein "Multifunktionales Werkzeug mit Gebrauchsanweisung in vietnamesischer Sprache"....es kostet mich dann regelmässig viel Zeit, Kraft, Geduld, um mir selbst den Gebrauch dieses Werkzeugs zu erklären - denn die Gebrauchsanweisung ist nicht sinnvoll.
Leben mit sogenannter Behinderung wirkt auf mich wie so ein "Multifunktionales Werkzeug mit Gebrauchsanweisung in vietnamesischer Sprache"!...es ist anstrengend, nervig, man braucht so wahnsinnig viel Geduld, manchmal ist es schmerzhaft. Irgendwann aber, wenn man dieses "Werkzeug in seiner Anwendung" kapiert hat, stehen einem neue Möglichkeiten im eigenen Leben zur Verfügung - das eigene Leben ist reicher geworden. UND - dieses besondere "Werkzeug" hat das Potential, auch das Leben anderer Menschen reicher zu machen...ähnlich einem Werkzeug dessen Benutzung man jemand anders erklärt und dann kann der auch damit umgehen.

Ich plädiere einfach mal dafür, diese ganzen sogenannten "Behinderungen" als noch nicht erprobte "Multifunktionale Werkzeuge mit schlechter Gebrauchsanleitung" zu sehen. Das "Leid" dabei sind die unangenehmen Momente, die man erlebt, weil man das "Werkzeug" noch nicht genügend beherrscht.

Ansonsten: Es gibt massenhaft Leute, die ich noch nicht aufgezählt habe, deren typbedingte Unpässlichkeiten niemals in einem ICD10-Katalog auftauchen würden: Menschen mit grosser Körperhöhe und dadurch Bedarf für (sehr teure) Schuhe in Übergrössen. Menschen mit roten Haaren und blasser Haut (hohes Risiko für Sonnenbrand und Kopfschmerzen), alle Brillenträger (häufige Druckstellen auf der Nase, dauernd beschlagene, verrregnete Brillengläser)

Was passiert nun - sofern man den Versuch wagt, die Vokabel "Behinderung" gegen die Vokabel "Fähigkeit" auszutauschen...und dann tauschen sich Menschen unterschiedlicher Fähigkeiten aus?

Meine Ansicht vom Leben mit meinen eigenen "Behinderungen" bzw mit denen meiner Angehörigen ist einfach: Gott hat mir ziemlich viele solcher echt ätzender "Multifunktional-Werkzeug" in meinen Lebensweg gepackt...und ich lerne so nach und nach deren Gebrauch kennen und übe mich, damit irgendwas Schönes zu bauen.

Und diese Erfahrungen möchte ich nun mit den Lebensbereichen anderer Menschen verknüpfen, die halt nicht diese "Leid-Erfahrungen" machen /gemacht haben.

Hier in diesem Forum schreiben Autisten...und es schreiben einige wenige Nicht-Autisten, die irgendwie Kontakt mit Autisten in ihrem Alltag haben. Darum war meine Frage: In welcher Weise haben jeweils Autisten-Welt und Nichtautisten-Welt das Potential einander zu ergänzen?

lg biene63
12.01.11, 22:41:57

biene63

Ich glaub, jetzt kann ich es kürzer schreiben:

Was wäre, wenn wir dieses ganze Kompetenzgerangel wegen ICD10-Katalog, Hilfebedarf, Gesetzlicher Betreuung und sonstigem autismus-spezifischem Fachvokabular mal beiseite packen würden, um uns gemeinsam dieser Sicht zu nähern: Geh davon aus, dass Autismus ne natürliche Menschen-Variante ist. Autisten sind okay - denn es sind Menschen. Menschen haben Fähigkeiten, die unterschiedlich sind. Menschen können sich mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten ergänzen, voneinander abgeben, einander beschenken, einander beraten.

Darum weiter oben meine Frage: Wie können Autisten und Nicht-Autisten einander ergänzen?
Mir gehts hier wirklich nicht um Gehbehinderte versus Blinde...usw. Und vor allem geht es mir NICHT um Leid!

Mir gehts um gegenseitige Achtung und Austausch der Fähigkeiten zwischen Autisten und Nicht-Autisten.

Was wäre, wenn Autisten nicht diesen "Behinderten-Stempel" hätten...sondern einfach besonders befähigte Leute wären mit besonderen Bedürfnissen?
12.01.11, 22:52:40

haggard

zum was wäre müssten diejenigen befragt werden, die jahrzehnte durchs leben gingen ohne von ihrem autistischen sein gewusst zu haben (als bezeichnung).

es kommt meiner meinung nach darauf an, wie offen jemand mit einem anderen menschen umgehen kann. ist diese offenheit gegeben, ist vieles möglich. aber daraus lässt sich keine regel ableiten, wonach alle menschen leben müssten, damit alle mit autisten klar kämen.

auch ist es nichts autisten - nichtautisten, sondern die gleichen/ähnlichen probleme finden sich auch bei autisten untereinander. sobald ein mensch an andere ansprüche hat, die der andere nicht erfüllen kann oder will, kommt es zu schwierigkeiten.
12.01.11, 23:02:22

payaniva

Zitat:
Darum war meine Frage: In welcher Weise haben jeweils Autisten-Welt und Nichtautisten-Welt das Potential einander zu ergänzen?


Was stellst du dir den unter einer Ergänzung vor ? Und gibt es wirklich 2 Welten? Leben wir nicht doch alle in einer Welt ? Ich kann ja nur von meinem Sohn sprechen, aber bei ihm glaub ich nicht das er in einer anderen Welt lebt wie ich, er nimmt sie nur viel intensiver wahr, wie ich.

13.01.11, 13:03:07

55555

An sich könnte die die Titelfrage mit einem klaren Ja beantworten (denkbar ist vieles, auch die Existenz des Spaghettimonsters als Weltenschöpfer), mir ist nicht ganz klar welche Art Antwort darüber hinaus gewünscht wird.

Einerseits vermute ich, daß in früheren Zeiten das Zusammenleben auch schoneinmal wesentlich besser und selbstverständlicher funktionierte, ja NA und Autisten offensichtlicher aufeinander angewiesen waren. Aufgrund der Veranlagungsunterschiede wird es auch immer wieder Reibungen gegeben haben. Bemerkenswert finde ich immer wieder wie die Vorstellungen eines guten Menschen oder die Schilderungen vorbildlicher Personens ich doch eher mit autistischem Wesen (abseits der heutigen falschen Klischees) decken als mit nichtautistischem Wesen. Insofern wäre für mich eher die Frage gerechtfertigt, ob im Falle einer solchen Bewertung nicht eher Nichtautismus als Gebrechen betrachtet werden könnte, da sie zumindest statistisch gesehen weniger begabt zu sein scheinen Gottes Willen zu erfüllen.

Da der erste Satz des Threads sich auf Religion bezieht nehme ich an, daß es in der Hauptsache auch eben darum gehen soll.

Was man aus abrahamitischer Sicht wohl sagen kann ist, daß Gott den Menschen bewußt vielfältig geschaffen hat.
Zitat von payaniva:
Es gibt ja nicht nur Autist und Nicht Autist auf dieser Welt, es gibt die ADHS`ler, es gibt die Epileptiker,

Nichtautisten sind alle, die nicht Autisten sind. NT hingegen bezieht sich eher auf irgendeinen Durchschnitt oder was auch immer. Nichtschwäne können auch alle möglichen Wesen bezeichnen, von der Ente (die teils unter Autisten übliche Bezeichnung eNTe leitet sich wohl aus dem Märchen "Das häßliche Entlein" ab, auf das auch auf der ESH-Site Bezug genommen wird) bis zum Elefanten oder Walross. Davon abgesehen ist ADS und Autismus z.B. bekanntermaßen auch kein Widerspruch.
Zitat:
Wenn Gott für die Entstehung des Menschen verantwortlich wäre, warum hat er manche Menschen mit so einem schweren Leiden auf die Welt geschickt ?

Nach jüdisch-christlicher Auffassung war dieses Leid eine Reaktion auf den Sündenfall der Menschen.
Zitat:
Ich bin auch Christ, [...] aber ich glaube nicht daran das Gott für die Entstehung des Lebens zuständig ist.

Interessant.
Zitat:
Ich glaub an die Archäologien die es auch belegen können wie der Mensch entstand.

Mal davon abgesehen, daß speziell diese Belege meines Wissens bis heute eher dünn sind erschließt sich mir nicht, wieso du da offenbar einen Widerspruch annimmst.
Zitat von biene63:
Mein älterer Sohn ist rein praktisch betrachtet mit ner Sehbehinderung aufgewachsen - rein praktisch betrachtet massenhaft Leid.

Hier kommt es darauf an, ob man den Behinderungsbegriff entsprechend dem Stand der Wissenschaft erfasst hat.
Zitat:
Asperger-Autist und hat ne Skoliose. Das sind einander ursächlich nicht bedingende Behinderungsformen

Das sind Personeneigenschaften, keine Behinderungsformen. Die Behinderung entsteht im Kontakt zu einer teilhabehindernden Umwelt.
Zitat:
Für diese Menschen waren ihre Leid-Erfahrungen "Werkzeuge"!

Das ist wie ich finde ein wichtiger Punkt. Leid formt Persönlichkeit.
13.01.11, 14:11:43

payaniva

geändert von: payaniva - 13.01.11, 14:23:19

Hallo 55555

vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt, mal ganz abgesehen von A und NA ich wollte damit in Frage stellen, ob Gott wirklich alles plant und Menschen auf die erde schickt die nur ein kurzes Leidvolles Leben haben. Ich kann mir nicht vorstellen, das Gott dafür zuständig ist, Leben auf die Welt zu setzen, was zb nur einige Wochen leben darf und das auch nur an Geräte und Schläuche. Was haben diese Kinder für Werkzeuge ? Wo sind ihre Werkzeuge ? Warum kommen dann Kinder auf die Welt, mit offenem Rücken, oder ohne Großhirn, oder Wasserkopf, oder, oder, oder ?
Das ist mir einfach sauer aufgestoßen, das Gott sowas plant und jedem Mensch Werkzeuge gibt, wo sind die Werkzeuge dieser Kinder ? Und man kann mir nicht sagen, diese Werkzeuge muss man nur finden.

Ich hab da eine andere Sicht, das wir Menschen für dieses Leid zuständig sind. Wie war das mit den Contergan Kindern ?
Die Kinder kamen ohne Gliedmassen, oder verkürzte Gliedmassen zur Welt, wegen dem Medikament und nicht weil Gott gesagt hat, dieses Kind schick ich ohne Arme, oder mit kurzen Armen etc auf die Welt.

was ist mit den Kindern aus Tschernobyl ? war das wirklich Gott ? Hat Gott diese Strahlung gemacht ? Wer hat den Kernreaktor gebaut ? Gott ? Und hat Gott dann gesagt es werden jetzt nur noch missgebildete und schwerkranke Kinder zur Welt kommen ? Nein es war der Mensch.

Warum kommen in Gebieten wo Atommüllager sind, so viele Krebskranke Kinder zur Welt, Ist das Gott ?

Was ist mit den Atombomben Opfer ? war das gott ? Hat Gott die Atombombe abgeschossen, um die Menschen zu verstrahlen, nein es war der mensch !

Ich weiß das dies alles nichts mit der Ausgangsfrage zu tun hat, aber ich verstehe auch nicht, wenn man nur diese Frage beantwortet haben möchte, warum man dann von Gott und der Menschheit spricht, aber gleichzeitig ein paar Posts später schreibt, nein ums Leid usw soll es ja gar nicht gehen.

Warum wird es dann erwähnt, wenn es darum gar nicht gehen soll, sondern nur um die Frage können A und NA sich ergänzen ?

Ich habe Leid gesehen und es macht mich persönlich sauer wenn man sagt, Gott hat sich was dabei gedacht und alle Menschen mit Werkzeugen ausgestattet, man muss sie nur finden. Bei Patrick ist ein Junge in der Klasse, er ist schwer behindert, kann nichts von seinem Körper bewegen, nur ganz leicht den Kopf, er bekommt einen Stift in den Mund, damit er auf seinem Computer der an seinem Rollstuhl befestigt ist, sich überhaupt mitteilen kann, er lebt in einer Zwischenwelt, wo wären seine Werkzeuge, wenn es die Medizin wie es sie heute gibt nicht geben würde ? Mir fließen jedesmal die Tränen in die Augen, wenn ich ihn lachen sehe, es macht mich so glücklich.
Ich habe auf der ITS wo meine Tochter 3 Monate war, Babys im sterben liegen sehen, die Verzweiflung der Eltern, die Hilflosigkeit, die Traurigkeit. Ich hab mitbekommen wie Ärzte 2 babys auf der ITS reanimierten, zurück ins Leben holten, auf der ITS war es immer so, zwischen Leben und Tod zu stehen, hilflos daneben stehen.

Ich habe im KH wo mein Sohn wegen rheuma lag, Krebskranke Kinder gesehen, weil mein Sohn wegen Platzmangel auf die Krebsstation gelegt wurde. Mir haben die Kinder so Leid getan, anstantt draußen zu toben, hingen sie an Schläuche und man konnte ihnen dabei zuschauen, wie sie immer mehr zervielen und das Leben aus ihnen raus hauchte. Sowas macht doch nicht Gott !

Ich gebe nicht Gott die Schuld dafür ! Sondern uns Menschen und umso mehr die Umwelt zerstört wird, umso mehr wird sie sich rächen ! Das zeigt sich ja schon an diesem Klimwandel, den schweren Bränden, den schweren Stürmen Tornados usw.
Viele Tierarten sind jetzt schon ausgestorben und trotzdem ändert sich nichts.
So bin dann jetzt raus aus dem Thema ich steiger mich sonst zu sehr da rein.
13.01.11, 14:37:32

biene63

@payaniva: Ich meinte ursprünglich wirklich total was anderes, als sich offenbar jetzt aus diesem Thread entwickelt. Das ist schade. Offenbar verbindest Du mit der Vokabel "Gott" völlig andere Assoziationen als ich. Tut mir leid!

@alle Anderen: Ich hatte mit diesem Thread die Absicht, die bisherige traditionelle Pro-Contra-Diskussion mal etwas zu durchbrechen. Entsprechend meiner Beobachtung läuft es bisher so:
- Autisten existieren / Nicht-Autisten exisiteren auch.
- Autisten haben besondere Fähigkeiten + Bedürfnisse, die sich von denen nicht-autistischer Menschen unterscheiden.
- Nicht-Autisten meinen, Autisten "hilfreich beistehen" zu müssen...und erwirken Diagnostik, Gerichtsurteile, Pflegestufen, Schwerbehindertenausweis, Gesetzliche Betreuung usw
- Autisten wehren sich gegen Bevormundung.

Ich sehe wenig friedliche Interaktion zwischen Autisten und Nicht-Autisten....Darum meine obigen Fragen.

lg biene63
13.01.11, 15:31:22

payaniva

Zitat von biene63:
@payaniva: Ich meinte ursprünglich wirklich total was anderes, als sich offenbar jetzt aus diesem Thread entwickelt.


Ich hab das schon verstanden was du wissen wolltest, was deine Frage war! Und hättest du deine Frage gestellt ohne davon anzufangen, Gott und Werkzeuge etc. wäre diese Diskussion nicht entstanden, es liegt also nicht nur an mir. Irgendwas wolltest du doch damit bezwecken, als du deine Frage mit Gott in Verbindung brachtest, oder war es vollkommen sinnfrei ?

Zitat von biene63:

Das ist schade. Offenbar verbindest Du mit der Vokabel "Gott" völlig andere Assoziationen als ich. Tut mir leid!

Ja tue ich und für mich ist "Gott" nicht einfach nur ne Vokabel und ja ich habe eine andere Sicht von Gott und der Welt und wenn du ein Thema eröffnest in dem es auch um Gott geht, wird mir doch gestattet sein, darauf einzugehen, es zu hinterfragen, oder Fragen zu stellen, oder meine Sicht zu offenbaren, das hier ist doch ein Forum, wo diskutiert, hinterfragt, Meinungsaustausch usw stattfinden soll, oder sehe ich das falsch ?

Und zu deiner Frage aus meiner Sicht.
Ich NA mein Sohn A, ich sehe meinen Sohn nicht als Behindert an, ich hab auch keinen SBA für ihn beantragt, er hat auch keine Pflegestufe, ich hab auch keine Gerichtsurteile usw
Vielleicht ist das bei der Mehrheit so, kann ich nicht beurteilen, aber bei uns nicht.;)
In unsere Familie ist er ein vollständiges Familienmitglied, er wird nicht ausgegrenzt und er grenzt uns auch nicht aus. Von daher ergänzen wir uns als Familie gegenseitig.
Das Diagnostiken gemacht werden, wie auch bei meinem Sohn, liegt wohl eher daran, das man als Eltern zu beginn nicht weiß was mit dem Kind los ist, wenn man es weiß, kann man ja anders damit umgehen, ob besser oder schlechter kommt dann auf die Eltern an und wie sehr sie sich bequatschen lassen zu so manch Therapie.
13.01.11, 16:36:19

Fundevogel

Zitat von biene63:

Ich sehe wenig friedliche Interaktion zwischen Autisten und Nicht-Autisten...


Wenn ca. 80 % der Autisten "unerkannt" in der Mitte von Nichtautisten arbeiten, ist das eine friedliche Interaktion.
Sie funktioniert allerdings weitgehend auf Kosten der Autisten, weil diese sich den allgemeinen gesellschaftlichen Regeln der Nichtautisten anpassen bis hin zu schweren gesundheitlichen Schäden.
Ziel muss es sein, die Mehrheit wieder zu dem zurück zu führen, was sie zu leisten im Stande ist: ihren Nächsten zu erkennen und ihm Gutes zu tun, sich selbst zurück zu nehmen, wo es angebracht ist, trotz der Verschiedenheit miteinander freundschaftlich umzugehen und sich für den anderen zu interessieren.
Im spirituellen Sinne glaube ich fest daran, dass Menschen, die anders sind, als Regulativ für die Gesellschaft geschaffen wurden, damit aneinander gewachsen werden kann.
In diesen Gedanken gehört auch die Anerkennung, dass Leid und Behinderung ihren Platz haben, auch wenn persönlich manchmal das Herz brechen könnte.
Es ist nicht zu verstehen, dass Gott beim Leiden zuschauen könnte, aber kann ich seine Gründe mit meinem Spatzenhirn ermessen? Wenn ich das könnte, wäre Gott gerade mal ein besserer Mensch.

Wir haben im übrigen Leid zu einem Luxusbegriff gemacht, weil wir es an den entgehenden Lebensgütern orientieren.

Zur Zeit meiner Großmutter gehörte es zum Alltag, dass Kinder an Kinderkrankheiten starben, dass Männer in Steinbrüchen verunglückten, dass Frauen im Kindbett "blieben". dass Mädchen, die "in Stellung" gingen, dem Hausherrn zur Verfügung standen, dass Kinder an Bauern als Arbeitskräfte verkauft wurden, dass junge Männer als Kanonenfutter starben. Es war nicht so, dass sie nicht sensibel für das Geschehen waren oder keine Wünsche hatten. Sie nahmen ihr Leben an und versuchten, das Frohe darin zu entdecken und das wiederum trug sie.

biene63: Zielst du auf einen Katalog ab? Wenn/Dann?

 
 
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