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VW-Belegschaft spendet 10.000€ für Autismus Deutschland

original Thema anzeigen

 
10.02.10, 22:37:10

55555

geändert von: 55555 - 10.02.10, 22:59:20

Zitat:
Die Wolfsburger Volkswagen-Belegschaft haben für das Therapie- und Beratungszentrum des Vereins „Autismus Wolfsburg und Umgebung“ 10 000 Euro gespendet. Mit dem Geld werden die Renovierung und Möblierung einer neuen Zweigstelle in der Helmstedter Innenstadt finanziert. Dort werden künftig 15 autistische Kinder und Jugendliche aus dem Helmstedter Südkreis ambulant gefördert.

Quelle

Weiß jemand näheres zu diesem RV? Was wird dort praktiziert? Wäre eine Protestaktion angebracht?

Edit: Die Homepage des Verbandes ist alles andere als aussagekräftig, finde ich.
10.02.10, 23:13:55

55555

geändert von: 55555 - 10.02.10, 23:23:33

Hier steht etwas mehr:
Zitat:
Und stellen Sie sich nun vor, die Gesellschaft steckt Sie in eine Schublade, auf der steht: Autist, behindert!

Rainer Kruse steckt in dieser Schublade. Er ist 44 und lebt in Celle in einer Wohngruppe für autistische Menschen. Jeden Tag arbeitet er einige Stunden in einer Werkstatt und trennt Papier von CD-Hüllen. Die Wochenenden verbringt er bei seiner Mutter Bärbel Kruse in Wolfsburg.

Sie will die Schublade öffnen, will ihren Sohn und all die anderen Autisten rausholen aus der Welt, in die sie so oft gedrängt werden und in die sie sich selbst so oft zurückziehen. Vor mehr als zehn Jahren gründete Bärbel Kruse mit anderen betroffenen Eltern den Verein Autismus Wolfsburg und wurde Vorsitzende. Mittlerweile gibt es in der Stadt ein Zentrum für Therapien und Beratungen.

[...]

1964 wurde ihr Sohn geboren. Er aß nichts, trank nichts. Er hatte epileptische Anfälle. Er schrie, wenn ihn jemand auf den Arm nahm. "Wir sind von Krankenhaus zu Krankhaus gezogen. Keiner konnte uns helfen", erzählt Bärbel Kruse. Mit sechs schmiss der Junge Stühle durchs Zimmer, rannte durch Glastüren. Er saß stundenlang am Papierkorb und zerriss Papier. Erst als er zwölf war, kam endlich die Diagnose: Autismus. Bärbel Kruse holte sich stapelweise Bücher und nahm Kontakt zum damals einzigen Autismus-Verein auf. "Ich fing endlich an zu begreifen, was in Rainer vorgeht und warum er sich so verhält und nicht anders."

Dieses Wissen gibt sie nun seit langem an andere Eltern weiter. Sie macht ihnen Mut, hilft bei Therapie-Anträgen, organisiert Vorträge oder Wochenenden für die Geschwister von Autisten. Sie geht mit autistischen Jugendlichen ins Kunstmuseum, weil sie dort malen dürfen. "Das ist Integration. Wir müssen sie in unser Leben mit hineinnehmen", sagt sie energisch.

Doch Bärbel Kruse will noch mehr. Sie will, dass möglichst viele stumme Autisten eine Stimme bekommen – und zwar mit Hilfe einer Methode, die sich gestützte Kommunikation nennt. Bei den Kruses funktioniert das so: Bärbel Kruse hält den Unterarm ihres Sohnes, und er berührt mit dem Zeigefinger Buchstaben auf einem A4-Blatt und formuliert so ganze Sätze. Die Buchstaben sind angeordnet wie bei einer Computertastatur.

Diese Methode ist umstritten. Kritiker sagen, der stützende Helfer nimmt Einfluss auf das Geschriebene. Doch Bärbel Kruse versichert: "Es sind Rainers Gedanken. Er schreibt oft über Dinge, von denen ich gar keine Ahnung habe."

Und das schreibt Rainer Kruse über sich selbst – vier Sätze eines Autisten an die Gesellschaft:

"ich bin gefangener meines koerpers/

ich hoere so gerne bach weil er die musik zum herzen bringt/

ich kann lesen nur nicht buecher umblaettern/

ich bin jeden samstag im dom von braunschweig und hoere orgelmusik"

Quelle


Edit: Und noch ein Zitat direkt von der VW-PR-Seite:
Zitat:
Autistische Menschen leiden an einer angeborenen, unheilbaren Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns, die Beeinträchtigungen in der Entwicklung, des Sozialverhaltens und in der Kommunikation zur Folge haben. Der Wolfsburger Verein betreut mit zehn hauptamtlichen Mitarbeitern rund 100 Betroffene im Alter zwischen drei und 40 Jahren sowie deren Angehörige. Sein Einzugsbereich umfasst auch Braunschweig, Gifhorn, Wolfenbüttel sowie Nachbarkreise in Sachsen-Anhalt.

Die Mitglieder des Betriebsrates und Sozialausschusses von Volkswagen, Eckhard Krebs und Bärbel Behrens-Oelmann, sowie Leopold Paeth und Axel Glörfeld vom Volkswagen Personalwesen überreichten die Belegschaftsspende am Dienstag. Sie betonten, die Erziehung eines autistischen Kindes stelle Familien vor besondere Herausforderungen. Daher unterstütze die Volkswagen Belegschaft die intensive Angehörigenarbeit von Autismus Wolfsburg. Für den Wolfsburger Verein nahmen die Spende der Aufsichtsratsvorsitzende, Rainer Schabon, sowie die Leiterin des Therapie- und Beratungszentrums, Diplom-Sozialpädagogin Steffi Hamann, entgegen.

Belegschaftsspende 2009

Die Mitarbeiter des Wolfsburger Volkswagen Werks haben im vergangenen Jahr rund 335.000 Euro als Belegschaftsspende gesammelt. Sie kommt Einrichtungen und Organisationen in Wolfsburg sowie in den Landkreisen Börde (Sachsen-Anhalt), Gifhorn, Helmstedt, Peine und Uelzen zu Gute. Damit können sie langfristige Projekte sowie dringend benötigtes Verbrauchs- und Büromaterial finanzieren.

Quelle
11.02.10, 04:53:51

drvaust

Der Text über die Mutter, und Sohn, ist nicht schlecht.

Hoffentlich ist der Text der VW-PR-Seite nicht alles, was mit der Spende bedacht ist.
Die scheinen nicht viel verstanden zu haben.

11.02.10, 12:20:17

wolke7?

Zitat von 55555:

Wäre eine Protestaktion angebracht?


Wie würde die Protestaktion aussehen ?
Was würdet ihr unternehmen ?


11.02.10, 13:31:23

55555

Protestaktionen können viele Wege gehen, erstmal bin ich hier noch am überlegen, wie verwerflich dies finde. So verwerflich wie eine Spende an Autism Speaks, die Autisten ausrotten wollen und dafür Millionen in Forschung stecken, die in Richtung selektiver Abtreibung zielt, finde ich das nicht. Aber ich finde es auch nicht gut, daß die eine solche Summe für bauliche Maßnahmen geben, die anderswo vermutlich wesentlich sinnvoller eingesetzt wären. Sie sollten nicht so tun als würden Autisten sich besonders dafür interessieren, ob dort renoviert wurde. Die echten Probleme liegen doch ganz wo anders. Angehörige werden meist heute nicht richtig informiert, weswegen viele Folgeerkrankungen auftreten und Therapien abgehalten werden. Es ist nicht besonders klug dort zu Spenden, wo gar nicht die Ursachen liegen. Aber ist es verwerflich nicht klug zu spenden?

Ja, den Artikel an sich fand ich auch gar nicht schlecht, er hinterfragt manches kritisch, das vermisse ich woanders oft. Aber das liegt wohl eher am Journalisten.

Aus dem Artikel entnehme ich weiter, daß die Mutter an FC (gestützte Kommunikation) glaubt, ohne wirklich systematisch getestet zu haben, ob die Methode wirkt. Ich gehe davon aus, sie hätte das genannt, wenn sie es getan hätte. Die Fälle in denen FC funktioniert sind ja sehr wenige laut Studien. Aus dem folgere ich, daß hier eine Einrichtung gefördert werden dürfte, in der Autisten gewissermaßen mißhandelt werden.
11.02.10, 17:35:10

horizont

geändert von: horizont - 11.02.10, 17:45:30

@55555
Verwerflich finde ich bei dieser Spende, dass sie wahrscheinlich "über die Köpfe" derjenigen vergeben wurde, die sie eigentlich gesammelt und gespendet haben- der Belegschaft von VW.
Wer hat da eigentlich entschieden, dass die Spende an diesen Verein geht? In der Pressemitteilung werden ein paar Mitglieder des Betriebsrates und Sozialausschusses von Volkswagen und vom Personalwesen genannt. Ich glaube nicht, dass diese sich vorher wirklich über Autismus informiert haben, es scheint mir, dass das Prestige für sie und auch den Konzern wichtiger war.
Ich will ihnen gar nicht absprechen, dass sie helfen wollten. Nur wie du schon geschrieben hast, ist es nicht gut, dass die Spende an bauliche Maßnahmen verschwendet wird, wo sie anderswo wesentlich besser und effektiver im Sinne der Spendenempfänger (den Autisten) eingesetzt werden könnte.
Ja, der Artikel bei newsklick.de gefällt mir auch sehr gut. Es wäre ein Ansatz diese Journalisten,Cornelia Steiner, zu kontaktieren und ihr die Problematik auf zu zeigen, vielleicht hat sie ihren kritischen Blickwinkel von damals (03.03.2008) noch nicht aufgegeben oder aufgeben müssen.
Ein anderer wäre, eine Protestaktion direkt am Stammwerk von VW zu machen, wo wir der Belegschaft, also auch den Schichtarbeitern, Infobroschüren oder -zettel in die Hand geben, damit sie erst mal konkret darüber informiert sind.
Ich traue mir aber noch nicht zu, diesen Handzettel aus zu formulieren, würde dennoch helfen wollen.
horizont
11.02.10, 18:22:00

55555

Die Idee diese Journalisten zu kontaktieren, finde ich ganz gut. Fühlt sich dazu jemand berufen? Ich bin derzeit noch immer eh schon überlastet.

Wenn am Werkstor etwas verteilt werden kann und jemand in der Nähe wohnt würde ich schon sowas wie einen Flugblattext liefern können. Welchen zeitlichen Rahmen haltet ihr für sinnvoll?
11.02.10, 20:39:20

horizont

geändert von: horizont - 11.02.10, 20:43:13

Ich habe ein wenig recherchiert, die Journalistin Cornelia Steiner arbeitet noch bei der Braunschweiger Zeitung. Die Frage ist jetzt, wie wir sie am besten ansprechen sollten,telefonisch oder per mail? Was wäre die bessere Art?

@55555
Ich glaube, es ist der ESH überhaupt nicht geholfen, "wenn denn mal jemand, der da in der Nähe wohnt, mal so ein paar Flugblätter am Werkstor verteilen würde".
Mir ist beim Lesen vieler Treads aufgefallen, dass sehr schnell der Begriff "Protestaktion" verwendet wird, kommt es dann zu konkreten Ansätzen, um diese Aktionen zu planen und letztendlich auch durchzuführen, wird dem einen/oder den zweien, die sich da richtig "reingehangen" haben, alles überlassen.
Es bringt wohl überhaupt nichts, wenn ich mich alleine vor das Werkstor stellen würde.

Du schreibst, dass du derzeit noch immer überlastest bist.
Sorry - wie geht das, da du hier doch anscheinend genug Zeit verbringst, um einen Tread nach dem anderen zu eröffnen und auch in diesen zu antworten.
Verstehe mich bitte nicht falsch, ich habe nichts gegen deine Treads, sind sie doch auch für mich sehr hilfreich, um in eure Welt Einblick zu bekommen und sie wahrscheinlich erstmal nur ansatzweise verstehen zu können. Doch sollten da nicht dann Prioritäten gesetzt werden?
horizont
11.02.10, 21:53:12

wolke7?

Vermute ich richtig, dass eine solche Aktion schon einmal gemacht wurde ?

Wie war das so, wie war der Ablauf, gab es Hindernisse, welche Ergebnisse, wie ist aus heutiger Sicht das Fazit ?
Hat die Aktion Einfluss auf heutige und zukünftige Aktivitäten ?
Habt ihr Regelungen / Vorgehensweisen, die zur Anwendung kommen ?
Was würde auf dem Flugblatt stehen ?
12.02.10, 01:15:00

feder

geändert von: feder - 12.02.10, 01:15:28

Sich einfach mal als Einzelperson ans Werktor zu stellen und Flugblätter zu verteilen, würde vermutlich tatsächlich wenig helfen. Könnte man darauf auch die Presse aufmerksam machen, die dann einen Artikel über die Spende, die Protestaktion der ESH und die damit verbundene Problematiken, wie z.B. dass das Geld gar nicht direkt Autisten zugute kommt, veröffentlichen würde, dann sähe das wohl schon ganz anders aus.
12.02.10, 03:09:35

Fundevogel

Macht euch keine Feinde, wo ihr doch schon "nur" uninformierte Sympatisanten habt. Bei Protestaktionen machen die meisten NA "zu". Sie betrachten sich in ihrer Güte abgelehnt, ehe sie die Fakten studieren.

Erst mal mit den Beteiligten kommunzieren. Niemand wird gerne vorgeführt, besonders dann nicht, wenn er leitend tätig ist.

Als Öffentlichkeitsarbeiter biete ich in den Firmen Vorträge an, beteilige mich an Gesundheitswochen, an Personalinititativen, suche in den Unternehmen Ansprechpartner, die firmenintern wirken - Multiplikatoren - und halte das Thema im Gespräch.

Forthebeautyoftheearth
13.02.10, 13:05:25

55555

Ich finde es in diesem Fall durchaus sinnvoll die Verantwortlichen zu kontaktieren. Das finde ich auch allgemein immer zuerst sinnvoll, wenn nicht klar ersichtlich ist, daß diese bereits über entsprechende andere Positionen unterrichtet wurden. Wenn ich vorschlage, daß jemand hier den Kontakt zu diesen Lokaljournalisten übernehmen könnte, dann bedeutet das nicht, daß er den privat aufnehmen soll. Es ist durchaus erwünscht hier Schreiben zu verfassen, die dann über die ESH-Adresse verschickt werden, sofern von anderen Mitarbeitern keine Bedenken zu Details vorhanden sind (die ESH hat ja auch gewisse Linien und steht nicht für völlige Beliebigkeit). Kontakt jederzeit per Mail möglich.

Welche Bedenken gibt es allgemein, wenn eine einzelne Person Flugblätter verteilen würde? Auf den Flugblättern sollte nach meiner Idee schon "ESH" stehen.

Wer ist in diesem Fall wohl zuständig? Der Betriebsrat der Werke in Wolfburg?

Es wurden schon einige Aktionen gemacht (bisher eigentlich immer in Fällen, in denen den Verantwortlichen bereits nichtöffentlich die Problematik mitgeteilt wurde. Bezüglich der Wirkungen besteht noch sehr klar Verbesserungsbedarf. Regeln für einen Ablauf gibt es nicht, ich finde allgemein auch nicht sinnvoll alles straff zu regeln, weil es wohl konstruktive Kreativität blockieren würde.

Wenn ich für die ESH in verschiedenen Bereich aktiv bin, dann ist das für mich mitunter "Arbeit", Aktivität hier im Forum im Rahmen dessen, was mich interessiert ist jedoch oft "Freizeit", also Zeit in der Regeneration von "Arbeit" möglich ist. "Freizeit" zu sehr durch "Arbeit" zu verdrängen ist extrem ungesund und nicht effektiv, derzeit ist diese Marke schon in nicht guter Weise verschoben (=Überlastung).
 
 
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