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Wie kritisiere ich Kunst?

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05.01.08, 17:09:04

eraser

Da es relativ schwierig ist, überhaupt zu definieren, was Kunst ist, sollte der Begriff relativ weit gesteckt werden.

Umberto Eco sagte, dass Kunst all das sei, was Menschen zu Kunstwerken erklärt haben. Begegnen wir uns also mit Respekt und kritisieren wir sachlich, ohne ein Kunstwerk an sich infrage zu stellen.
LGE
05.01.08, 17:11:02

55555

Wie definierst du "sachlich" in dem Zusammenhang?
05.01.08, 17:25:08

eraser

Unsachlich ist: "Meine Mutter kann ja besser malen!"

Sachlich ist: "Das trifft meinen persönlichen Geschmack nicht und hier fehlt eindeutig Handwerk!"


Unsachlich ist: "So einen kranken Scheiß hab ich noch gar nie gehört!"

Sachlich ist: "Es hat definitiv Differenzqualität, aber für mich verlässt dieses Stück den Rahmen des irgendwie schmerzfrei Rezipierbaren! Ich weiß nicht, ob das gewollt ist."


Unkonstruktiv ist: "Ich mag keine Gedichte, die sich nicht reimen."

Konstruktiv ist: "Ich mag keine Gedichte, die sich nicht reimen, trotzdem wollte ich Folgendes anmerken: Wenn sich etwas nicht reimt, sollte es für meinen Geschmack wenigstens einen gewissen Rythmus haben. Den finde ich hier nicht."


Es geht also darum, seine Abneigung zu begründen (konstruktive Kritik) und keine Allgemeinplätze zu äußern, die der Sache nicht dienen, also unsachlich sind.
LGE
05.01.08, 17:36:45

55555

Dir geht es also um eine Verbreitung der Botschaft die auf der Elfenwiese vermittelt werden soll. Das begrüße ich natürlich.
07.01.08, 18:17:14

L4A

geändert von: L4A - 07.01.08, 18:17:42

Je mehr Schreiber sich kritisieren, umso ein besseres Bild erhält man über das Geschriebene. Auch eine subjektive Meinung darüber, wie das geschriebene auf einen gewirkt, oder eben nicht gewirkt hat, kann konstruktiv sein. Was löst der Text aus?

Dann Hinweise auf Rechtschreibung, Grammatik und Stil sind wichtig. Wortwahl und Tempo. Ist ein Spannungsbogen enthalten? Wenn ja, wo ist er? Hängt er zwischezeitlich durch? Löst er sich auf, an welcher Stelle?

@eraser
Darf ich dich aus einer Mail zitieren? Das war zu den Gedichten die ich Dir geschickt habe eine sehr gute Kritik gewesen. Damit kann ich etwas anfangen. Was meinst du? Die poste ich dann hier rein und sie wäre ein gutes Beispiel.
07.01.08, 23:42:11

eraser

o.k.
19.01.08, 08:54:17

L4A

Gedichte sind allerdings schwer zu kritisieren. Ich habe mich aber bemüht, alles zu bekritteln, was ich nur irgendwie bekritteln kann, aber leider ist das, was ich dazu sagen kann, hochgradig eine Geschmacksfrage.

Zu Nr. 1 (leise):
Die Stimmung kommt gut rüber. Es entstehen beim Lesen Bilder im Kopf und ich finde die Sprache sehr einfallsreich. das gefällt mir.
Manchmal kommt ein Reim zu gewollt daher (erheben/ erbeben), manchmal stimmt der Sprachrythmus nicht ganz. "Wird aus DEM hässlich Entlein endlich Schwan" klingt irgendwie besser.
(In der 2. Strophe 2. Zeile fehlt ein "s" in "selbt".)
Das "Adele" ist sehr schwäbisch. 6. Strophe, 2. Zeile ist der Reim "abgefahren" zu sehr Slang für die sonst so poetische Sprache, nach meinem Geschmack.

zu Nr. 2 (Menschen...):
Das ist sehr pointiert, da kommt eine Menge Frust rüber. Sogar Zynismus. Manchmal muss man schmunzeln.
Es ist sehr gelungen, trotzdem wirkt es insgesamt so, als sei die Aussage, dass Sex animalisch sei und nicht, dass Sex als Lebensinhalt bescheuert ist. Vielleicht ist das so beabsichtigt?
(gemoppt mit bb also gemobbt wegen "Mobbing")

zu Nr.3 (Umwelt):
Das ist mein persönlicher Favorit, daran habe ich nichts auszusetzen, obwohl ich mir Mühe gegeben habe, was zum Aussetzen zu finden. Höchstens vielleicht, dass in der 1. Strophe, 3. Zeile "oder sie dumm" die 3.Person Pl. gebraucht wird und dann erfolgt direkte Ansprache in der 2. Person "ihr" und "euch".
Aber das kann man als dichterische Freiheit durchgehen lassen.

zu Nr. 4 (Wer weint...):
Ich persönlich habe es nicht so mit Engeln, vielleicht ist der Titel ungünstig gewählt, denn eigentlich steht der Engel ja für etwas Unereichbares, Schönes, eine Sehnsucht eben.
Diese Sehnsucht wird hier sehr gut transportiert, finde ich. Der Zustand zwischen Wachen und Schlafen, diese Gratwanderung zwischen Realität und Traum, das kommt alles sehr gut rüber und so kann man das Gedicht auch als Sinnbild für das Leben allgemein nehmen.
Finde ich sehr schön, obwohl ich kein klitzekleines bisschen an Engel glaube.
Manchmal scheint mir bei Nr. 4 auch der Rythmus nicht ganz zu stimmen, allerdings muss dieser Rythmus gar nicht stimmen, das ist nur so ein Tick von mir. Das Gedicht ist ja die freieste Form überhaupt, freier als der Roman.

Du hast durchgehend das Reimschema AABB verwendet, ist mir aufgefallen. Umso mehr Restriktionen man sich auferlegt, desto mehr zwingt man die Sprache in ein Schema.
Manchmal zügelt das ihre Kraft, manchmal bringt erst die Struktur und die durch den Reim eingeschränkte Wortwahl eine Sache auf den Punkt.

Na, ich hoffe, das hilft Dir weiter, liebe Grüße,
eraser
19.01.08, 14:57:49

55555

Ich präsentiere Texte teilweise stückweise, weil mich der Eindruck des Lesers nach diesen Abschnitten interessiert und nicht nur der abschließende.
19.01.08, 18:30:43

L4A

Bei langen Texten ist das effektiver, es wäre auch wirklich viel zu aufwändig (? stimmt das nach der NNDR) das zu kommentieren. Es geht schließlich für dich icht um den Gesamteindruck bei enem solchen Werk, das es eines wird kann man schon sagen.

Für mich persönlich ist es so interessant.

Kennst du Chales Dickins? Er hat das eingeführt.
19.01.08, 20:16:03

55555

Er hat was eingeführt?
24.01.08, 10:16:23

L4A

Den Fortsetzungsroman, das war damals nicht üblich.
 
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